D 1998, 110 min
Verleih: Progress

Genre: Dokumentation

Regie: Barbara und Winfried Junge

Kinostart: 18.11.99

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Brigitte und Marcel – Golzower Lebenswege

Schnörkellose und berührende Dokumentation



Barbara und Winfried Junge begleiten im fünfzehnten Film ihrer Langzeitdokumentation Brigitte und ihren Sohn Marcel, Golzower Kind und Enkelkind. 1961 begannen die Arbeiten und dauern bis heute an - der sechzehnte Film wird gerade fertiggestellt. Damit ist GOLZOW das älteste derartige Projekt der internationalen Filmgeschichte und im Guinness-Buch der Rekorde vermerkt.

Brigitte ist eines der Mädchen des kleinen Dorfes Golzow in der Nähe von Frankfurt/Oder, die kurz nach dem Mauerbau 1961 eingeschult werden. Nach der achten Klasse geht sie ab, wird mit siebzehn Mutter des kleinen Marcel, erzieht ihn ohne Vater. Der erlernte Beruf - Geflügelzüchterin - macht kaum mehr Spaß als die Schule. Norbert, den sie später heiratet, mit dem sie ihren zweiten Sohn bekommt und ein Haus baut, geht bald wieder. Brigitte stirbt 1984 mit nur 29 Jahren - schon seit der Kinderzeit litt sie an einer Herzschwäche.

Marcel wächst nach dem Tod der Mutter bei seiner Großmutter auf. Wie Brigitte absolviert er acht Schuljahre. Ebenfalls nicht ganz ohne Probleme. Mit seiner Lehre zum Betriebsschlosser erfüllt er sich zwar nicht gerade einen Traum, entdeckt aber seine handwerklichen Fähigkeiten und hat Spaß an der Arbeit. Doch jetzt ist die DDR Geschichte - die Wende bringt ihm seine Einberufung zum Bund und die ewige Bedrohung durch die Arbeitslosigkeit. Marcel kauft das erste Westauto und bekommt mit seiner Freundin Ines den Sohn Florian.

Mit behutsamen Fragen, manchmal kritisch aber immer mitfühlend, rekonstruieren die Junges den Mikrokosmos von großen Schicksalsschlägen und kleinen Erfolgen. Dem Filmmaterial aus der Kinderzeit der Mutter wird das aus dem Leben ihres Sohnes gegenübergestellt. Auf beängstigende Weise ähneln sich die Bilder. In fast vierzig Jahren und über zwei Generationen hinweg hat sich an der Vorstellung vom Glück kaum etwas verändert: eine richtige Familie, eine gute Arbeit, Gesundheit.

[ Sylvia Görke ]

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