Originaltitel: CELEBRATION

F 2006, 74 min
FSK 0
Verleih: Salzgeber

Genre: Dokumentation

Regie: Olivier Meryrou

Kinostart: 10.10.19

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Celebration

Die Müdigkeit einer Ikone

Vor fast 15 Jahren schon wurde dieser Film gedreht – und dann mußte er warten, bis einer seiner Protagonisten stirbt, bevor er das Licht der Welt (der Kinosäle) erblicken durfte. Einige Auserwählte freilich hatten das Werk zuvor wohl schon gesehen. Die Regisseure Bertrand Bonello und Paul Thomas Anderson etwa. Ersterer holte sich daraus Inspiration für ein dann wiederum wenig inspirierendes Biopic (SAINT LAURENT), Letzterer für seine faszinierend abgründige Phantasie über einen fiktiven Modeschöpfer (DER SEIDENE FADEN).

Was genau Bonello und Anderson für ihre eigenen Arbeiten aus CELEBRATION mitnahmen, ist müßig zu spekulieren. Der Mann jedenfalls, um den sich hier, in Olivier Meyrous nicht nur zeitlich prägnant bemessener (sollte man „geschneiderter“ sagen?) Dokumentation, alles dreht, ist der große Modeschöpfer Yves Saint Laurent, ein Künstler seines Faches, wie es nach ihm keinen mehr gab. Und – aber das nur nebenher – auch keinen mehr geben wird.

Wobei in CELEBRATION dann die Kreationen des YSL bis hin zu den legendären Cocktailkleidern mit Mondrian- und Op-Art-Design tatsächlich nur mit Seitenblicken gestreift werden. Meyrou nämlich treibt etwas Anderes um, als der Titel seines Films versprechen mag, etwas anderes, als eben Zelebration. Ins Jahr 1998 geht die Reise; also in jenes Jahr, in dem YSL seine letzte Kollektion schuf, bevor er sein Imperium an Gucci verkaufte. Und in dem groß ausgerichtete Feierlichkeiten zu Ehren seines Lebenswerkes den Modeschöpfer ereilen. Und irgendwie auch zu quälen scheinen.

Meyrou beobachtet eine Ikone, die es offensichtlich müde ist, Ikone zu sein: „Ich habe mich verändert“, diktiert der Meister da in einer Szene mit leiser Stimme einer Journalistin in den Block, „ich habe beschlossen, glücklich zu sein und mit dem Glück zu arbeiten.“ Introvertiert, scheu klingt das. Resigniert, wie wider besseren Wissens, auch.

Inmitten der hier atmosphärisch wunderbar eingefangen Hektik zur letzten großen YSL-Modenschau wandelt der Modeschöpfer wie ein Erschöpfter, der, so mutet es an, am liebsten verschwinden würde. Wäre da nicht der langjährige Lebens- und Arbeitsgefährte Pierre ­Bergé, der als auch mal cholerisch auftrumpfendes Energiebündel den Laden am Laufen hält. Ein Typ, halb loyaler Beschützer, halb gängelnder Diktator, der bis zu seinem Tode 2017 die Aufführung von CELEBRATION zu verhindern wußte.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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