D 2018, 88 min
Verleih: Real Fiction

Genre: Dokumentation

Regie: Anja Krug-Metzinger

Kinostart: 27.09.18

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Das stille Leuchten

Sei mal leise!

Es ist ja quasi der Trend unserer Zeit: Achtsamkeit, Meditation. Jeder kennt wohl Leute, die am Wochenende keine Zeit haben, weil sie auf einem Yoga-Retreat sind und „mal abtauchen.“ Und, na klar, es ist eine Gegenbewegung in unserer hektischen Zeit, in der immer alle auf ihrem Handy rumtippen und von einem Termin zum nächsten hetzen.

„Diese permanente Reizüberflutung ist ein Risiko für die geistige Gesundheit von Kindern!“ Mit dieser Aussage beginnt der Film, und das Spannende ist, daß er nicht gestreßte und von der Arbeit gebeutelte Erwachsene ins Visier nimmt, sondern eine Bevölkerungsgruppe, die ja eigentlich noch Zeit zum Spielen und Verweilen haben müßte, oder?

Wie Kinder heute aufwachsen, darauf geht die Filmemacherin Anja Krug-Metzinger gar nicht ein. Sie zeigt keine gestreßten Kinder, sondern konzentriert sich in ihrem Film ganz auf Orte, also Kindergärten, Schulen und Sportvereine, an denen die Achtsamkeit schon zum Alltag gehört. In einer privaten Grundschule in Paris sieht man schon die ganz Kleinen mit geschlossenen Augen in ihr Innerstes horchen oder Jungs auf dem Fußballplatz in Frankreich, die kurz meditieren und in der Pause im Gruppenraum über ihre Gefühle sprechen. Der französische Sportverband war der erste weltweit, der bewußte Selbstwahrnehmung in sein Ausbildungsprogramm aufgenommen hat.

Dabei erzählt Krug-Metzinger nicht die Geschichte einzelner Menschen, mit Hilfe derer man die Selbstfindung quasi durchleben könnte. Sie nähert sich dem Thema auf eine theoretische Weise, läßt Trainer, Lehrer, Wissenschaftler und Aktivisten zu Wort kommen. Ein Blick in die Kulturgeschichte des Themas bleibt aus. Gleich am Anfang betont sie, daß es nicht um religiöse Strömungen geht, sondern vielmehr um eine „säkulare Bewußtseinskultur.“ Diese Hintergründe fehlen zuweil, lautet doch schon der Untertitel „Wiedereroberung der Gegenwart.“ Was impliziert, daß die Menschen früher achtsamer gewesen sein müssen. Beim Blick in die jüngere Geschichte ist das allerdings schwer vorstellbar.

Zudem wiederholen sich die Bilder von in sich ruhenden Heranwachsenden. Ein bißchen mehr Distanz und Perspektivwechsel hätten dem Film durchaus gutgetan. Und dennoch entsteht eine Art Sehnsucht nach mehr Selbstfindung und Ruhe. „Wir brauchen die Stille, uns selber zu begegnen“, sagt die kluge Meditationslehrerin. Wer zu sehr im Außen verharrt, würde sich selbst verlieren. Und am Ende fängt man an, über das eigene Leben zu sinnieren.

[ Claudia Euen ]

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