Originaltitel: DAVID WANTS TO FLY

D/Österreich/CH 2010, 89 min
FSK 0
Verleih: Neue Visionen

Genre: Dokumentation

Darsteller: David Sieveking, David Lynch, Swami Dhirendra

Regie: David Sieveking

Kinostart: 06.05.10

2 Bewertungen

David Wants To Fly

Transzendentale David-Lynch-Demontage

David Sieveking ist ein Filmstudent auf der Suche nach Inspiration. Als der kreative Big Bang ausbleibt, kommt er auf die wenig innovative Idee, sich selbst und seine Schaffenskrise zum Thema seines nächsten Films zu machen.

Aus dieser Art der filmischen Nabelschau entsteht erfahrungsgemäß selten etwas Gutes, doch David kriegt die Kurve, denn er orientiert sich bei seiner Suche nach Inspiration an einem, der sich damit wirklich auskennt: David Lynch. Der Meister des gehobenen surrealen Horrors macht heute vor allem als begeisterter Anhänger der Transzendentalen Meditation (TM) von sich reden. Diese exklusive (und Copyright-geschützte) Art der inneren Einkehr soll vor allem bei kreativen Schaffenskrisen Wunder wirken.

David, also Sieveking, beschließt daher, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und sich selbst filmisch dabei zu begleiten, wie er von Lynch lernt, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Seine Reise ins eigene Ich beginnt mit einem gönnerhaften Interview mit dem großen Idol und einer über 3.000,00 EUR teuren Einweisung in die Transzendentale Meditation nach deren Gründer Maharishi Mahesh Yogi.

Trotz täglicher Meditation muß David schon bald feststellen, daß das weltweite TM-Movement alles andere ist als eine Oase der Glückseligen. Hinter TM verbirgt sich ein global agierendes Unternehmen, dessen Geschäftstaktiken alles andere als rein sind. Er entdeckt stacheldrahtumgrenzte TM-Mediationslager mitten in den USA und muß feststellen, daß sich sein Idol David Lynch offensichtlich bewußt zum Promoter einer mehr als zwielichtigen Bewußtseinsindustrie machen ließ. Fortan sucht er seinen eigenen Weg zur Erleuchtung, fernab gelabelter Selbsterfahrungstrips, auf dem er zum Beispiel mehrere hemmungslos kichernde bekiffte Mönche im Himalaya trifft.

Hier endlich beginnt das Filmkonzept aufzugehen, denn der Regisseur hört auf, sich selbst allzu ernst zu nehmen und läßt den Dingen ihren Lauf, ganz so, wie es in der Transzendentalen Meditation gelehrt wird. Und siehe da, sein heimlicher Hauptdarsteller David Lynch beschenkt ihn zum Ende mit der perfekten dramaturgischen Volte: Er droht mit einer Klage. Diese Art der Inspiration ging ihm dann wohl doch zu weit.

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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