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Der Bauer und sein Prinz

Imagefilm für Charles

Zunächst die Fakten: Seit 30 Jahren betreibt Charles, Prince Of Wales, in Südengland ökologische Landwirtschaft. Und wie es aussieht, hat er dafür den richtigen Farmmanager gefunden: David Wilson, der genauso für die Sache brennt wie er. Außerdem backt David gleich nach dem Aufstehen leckeres Brot, aber das nur nebenbei. Zu Charles’ Anwesen Duchy Home Farm gibt es noch sehr viel mehr Fakten – viele, viele Details, die in einem Ökologie-Seminar auch angebracht wären. Aber in einem Kinofilm?

Würde man nicht viel lieber wissen, ob Charles und David nun ziemlich beste Freunde sind? Aber der Film läßt sich von seinem Hauptanliegen nicht ablenken, nämlich Charles’ Image vom grünen Spinner zu unterbinden und ihn zum Pionier der Nachhaltigkeit zu erklären, was er vermutlich tatsächlich ist. Man glaubt es ja gern, aber braucht man deswegen einen Kinofilm? Im Pressetext wird das so angepriesen: „Sie müssen nach dem Ansehen dieses Films gefaßt sein, vielen Vorurteilen Lebewohl sagen zu müssen. Vorurteile gegen Prinz Charles und gegen ökologische Landwirtschaft.“ Hat man nun aber weder Vorurteile gegenüber dem Prinzen noch gegenüber ökologischer Landwirtschaft, geht man hier leer aus. Da bleibt dann noch die ultimative Lobhudelei übrig, die Charles und David sich gegenseitig angedeihen lassen, mit deutschem Overvoice statt mit Untertiteln. Außerdem sagen ein paar Prominente oder Träger wichtiger Preise, darunter eine Halbschwester Barack Obamas, ähnliche mundgerechte Texte auf. Auf langen Rundgängen mit David sehen wir derweil auf dem Anwesen die Äpfel blinken wie in einem Werbefilm, was die seichte Musik noch unterstreicht.

Zugegeben, Bertram Verhaag hatte eine exklusive Drehgenehmigung: Fünf Jahre bewegte er sich auf dem Anwesen des Prinzen. Aber hat er sich wirklich frei bewegt? Alles, was ein vom Masterplan abweichendes Thema oder gar einen kleinen Konflikt verspricht, läßt er links liegen. So sieht man einmal ganz kurz, wie die Touristen durch das Anwesen geschleust werden, auf Strohballen sitzend werden sie von einem LKW herumgekurvt. Na, das wäre doch ein Ansatz! Aber Verhaag zieht es vor, sein Feld abzugrasen. Wie passend, daß seine Produktionsfirma Denkmal-Film heißt.

Und noch einmal: Muß jetzt jeder Prominente, der sich für die gute Sache einsetzt, seinen eigenen Film bekommen? Da muß man dann doch ganz klar Naturschutz für das Kino fordern.

D 2014, 82 min
FSK 0
Verleih: Barnsteiner

Genre: Dokumentation

Regie: Bertram Verhaag

Kinostart: 20.11.14

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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