CH 2018, 82 min
FSK 0
Verleih: Mindjazz

Genre: Dokumentation

Regie: Bernard Weber

Kinostart: 01.11.18

Noch keine Bewertung

Der Klang der Stimme

Töne aus der Tiefe

Wir benutzen sie jeden Tag. Wir singen, sprechen, lachen und jauchzen. Sie ist unsere Verbindung zur Außenwelt und erzählt Anderen etwas darüber, wie wir uns fühlen: unsere Stimme. Und obwohl sie so existentiell ist und wir ständig mit ihrer Hilfe reden, sprechen wir kaum über sie.

Regisseur Bernhard Weber ändert das. Er ist quasi ein Experte auf dem Gebiet der menschlichen Klangkunst. In seinem vorherigen Film DIE WIESENBERGER begleitete er über zwei Jahre einen Jodler-Klub. Die waschechten Schweizer gaben ihm viel Inspiration: „Wenn mir alles zu viel wird, dann gehe ich auf den Berg und singe mir den Schmerz von der Seele“, sagte ihm ein Jodler, und nach diesem Motto hat Weber auch Protagonisten für diesen Film gesucht, also Menschen, die mit ihrer Stimme ein Stück ihres Selbst offenbaren.

Allen voran steht Andreas Schaerer, ein Performance-Künstler und Musiker, der so abstruse und experimentelle Dinge mit seinen Stimmbändern anstellt, daß man nicht weiß, ob das noch mit rechten Dingen zugeht. Er singt, gluckst und pfeift gleichzeitig, er ahmt Tiere, Geräusche und Instrumente nach, animiert ganze Orchester, ihm zu folgen. Das sind Töne, die aus ungeahnten Tiefen emporsteigen. Das ist beindruckende Kunst, zu der man außerhalb der Szene kaum Zugang bekommen würde.

Regisseur Weber blickt in diese kleine Welt. Da sehen wir auch eine junge Opernsängerin, die für ihre erste große Hauptrolle probt und zuweilen daran verzweifelt, wenn ihre Stimme nicht gehorcht. Aber kann sie das eigentlich? Und woher kommt es, daß einige Menschen so etwas Klangvolles, Einmaliges mit ihrer Kehle zaubern, während andere kaum einen Ton herausbringen? Dafür läßt Weber einen Stimmforscher zu Wort kommen. Sein Untersuchungsobjekt: Die Frau mit der höchsten Stimme der Welt, die er mit seinen Untersuchungsmethoden malträtiert. Das ist lustig und aufschlußreich, aber auch er kommt an Grenzen, die Dinge bis ins letzte Detail zu klären.

Am Ende bleibt die Stimme etwas Magisches, Archaisches, das bezeugt auch eine Stimmtherapeutin im Film. „Über den Ton ist es viel intimer, als über Gedanken und Wörter“, sagt eine Patientin, die sich ihre Emotionen gerade aus dem Leib gebrüllt hat. Der Film erzählt unterhaltsam sehr viel Spannendes über das menschliche Sein und seine Ausdrucksformen und regt zum Nachdenken an, wie man sich seine eigene Stimme noch einmal ganz neu zunutze zu machen kann.

[ Claudia Euen ]

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.