Originaltitel: THE LITTLE DEATH

Australien 2014, 94 min
FSK 12
Verleih: Weltkino

Genre: Erotik, Komödie, Satire

Darsteller: Alan Dukes, Lisa McCune, T.J. Power

Regie: Josh Lawson

Kinostart: 09.04.15

Noch keine Bewertung

Der kleine Tod

Das Kreuz mit dem Höhepunkt

Paul gibt ihr eine 10. Von möglichen zehn Punkten. Jede Frau würde rotbäckig in die Hände klatschen, nur Maeve schaut irritiert, bat sie ihren holden Gatten keinesfalls „To Rate Her“, sie forderte doch recht deutlich: „I Want You To Rape Me!“ Paul ist überfordert, Maeve lenkt ein, beschwichtigt, das sei doch alles nicht so schlimm.

Bärtige Feministinnen werden ob dieser Introduktion mal wieder nervös hüsteln, und dennoch und gerade deswegen: Herzlich willkommen im Reich der Mißverständnisse, im Labyrinth der Ausreden und Lügen, im dornenreichen Garten der Lust. Denn die zu gewinnen, die zu halten, ist auch das Ziel weiterer Paareskonstellationen in diesem vorerst hochvergnüglichen und dann doch auch bösartig über unsere Unzulänglichkeiten feixenden Film, der schon augenzwinkernd, aber durchaus ganz ernsthaft sich dem überwucherten Pfund zuwendet, das doch oft nur ein paar Sekunden wiegt: dem Orgasmus. Und dem Eisprung manchmal gleich noch dazu.

Deswegen lernen wir Typen kennen, die ein beherztes Rollenspiel dann doch zu ernst nehmen, deren Fruchtbarkeit so richtig ins Entfalten kommt, wenn der Angetraute Rotz und Wasser heult, während ein anderer erst Fahrt aufnimmt, wenn Frauchen schläft. Masochisten und Somnophile, Fetischisten und Dacryphile – kennst Du Deinen Nachbarn? Josh Lawson stellt mit Spielfreude und doch ohne Bloßstellung die heute so dringliche Frage nach dem Normativen, dem Konventionellen. Das beschränkt er keinesfalls auf die Sexualität seiner Figuren. Es geht um Etikette und Erwartungshaltungen als Innen- und Außenansicht. Und um uns als Individuen, die zunehmend nur um sich kreisen, Banales zu ernst nehmen, Ernsthaftes dabei verkennen.

Daher ist es eine schon geniale, wenn auch reichlich diabolische Idee, die Figur Steve einzuführen. Dieser klingelt brav an den Türen der gediegenen Vorstadthäuschen, lächelt freundlich, bietet Selbstgebackenes an. Natürlich dürfen hauptamtliche Ich-bin-politisch-korrekt-Zuschauer sich daran stören, daß die Kekse kleine schwarze Golliwogs sind, letztendlich paßt diese schräge Petitesse zum frechen Ton des Films. Wichtiger jedoch ist, daß von den Beziehungsgeplagten der Grund von Steves Aufschlagen überhört bleibt: Er ist neu in der Nachbarschaft und muß sich als entlassener Sexualstraftäter vorstellen.

Dieser makaberen Situation ist ein galliger Witz eigen, über diese Szenen liegt sich dennoch eine Bedrückung, die an Todd Solondz’ Glanzzeiten erinnert. Wir werden Steve im Finale erneut begegnen, da schlägt er wieder auf, aber anders als erwartet. Er krönt eine Telefonsex-Episode, die so hinreißend geschrieben ist, daß man daraus eigentlich einen eigenen Film machen müßte.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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