D 2006, 100 min
FSK 12
Verleih: Farbfilm

Genre: Dokumentation

Regie: Douglas Wolfsperger

Kinostart: 28.02.08

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Der lange Weg ans Licht

Doku über das Gebären und Geborenwerden

Man sollte meinen, eine Geburt ist die natürlichste Sache der Welt. Dieser ausgesprochen humorvolle Dokumentarfilm zeigt, daß es beileibe nicht damit getan ist, einfach zehn Monate lang abzuwarten. Heute gibt es eine regelrechte Geburtsindustrie, die für jedes vermeintliche Problem ein (kostenpflichtiges) Mittelchen bereit hält. Hebammen, Geburtshäuser und Kliniken buhlen mit harten Bandagen um Kundschaft. Die Entscheidung, unter welchen Umständen ein Kind zur Welt kommen soll, wird schnell zur Gewissensfrage. Inmitten dieses Wahnsinns macht die Hebamme Edeltraut Hertel ihre Arbeit. Und die besteht zuerst mal darin, Kindern auf die Welt zu helfen. Sowohl in ihrer ostdeutschen Heimatstadt Meerane, wo die Geburtenraten trotz modernster Technik seit Jahren sinken als auch in Tansania, wo in Lehmhütten oder provisorischen Krankenhäusern Jahr für Jahr mehr Kinder zur Welt kommen.

Wolfsperger tut gut daran, sich für seine Recherchen an die Fersen dieser beeindruckenden Protagonistin zu heften und deren gewundene Lebensgeschichte in den Mittelpunkt zu stellen. Noch in der DDR-Zeit ging Hertel nach Tansania, später folgten Arbeitsaufenthalte in Nordirland, Sudan und Mazedonien. Sie liebt ihren Beruf, das merkt man an jeder Geste.Bei einer so starken Hauptfigur haben es die weiteren Protagonisten naturgemäß schwer. Also hat Wolfsperger sich gar nicht erst lange damit aufgehalten, angemessene Gegenspieler zu finden. Die sächselnden Ärzte, die die medizinische Seite repräsentieren sollen, gehen als Pat & Patachon-Double durch, wenn sie versuchen, für ihr Krankenhaus ausgerechnet mit den neu installierten Bidets mit integriertem Fön zu werben. Den überlegten Aussagen der Hebamme, die auch die problematischen Momente wie Totgeburten oder die Schwierigkeit, mit den wachsenden Möglichkeiten der Pränataldiagnostik angemessen umzugehen, nicht verschweigt, können sie damit nicht Paroli bieten. Überhaupt kommen die Männer recht schlecht weg. Sinnbildlich dafür steht der werdende Vater, der sich beschwert, wie anstrengend die Geburt für ihn ist, während man seine Frau aus dem Kreißsaal schreien hört É

Da bleibt einem das Lachen schon mal im Halse stecken. Zum Glück bekommt Wolfsperger immer die Kurve und haut seine Protagonisten nicht in die Pfanne. Schließlich ist eine Geburt immer ein emotionaler Ausnahmezustand - für alle Beteiligten.

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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