D 2014, 79 min
FSK 16
Verleih: Salzgeber

Genre: Horror, Schräg, Trash

Darsteller: Michel Diercks, Pit Bukowski, Ulrike Hanke-Häntsch

Regie: Till Kleinert

Kinostart: 06.11.14

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Der Samurai

Eine Brandenburg-Backwood-Gruselmär

Dieser Wolski ist ein wahrlich sanfter Polizist. Außerdem ein Einsamer, ein Introvertierter auch, der still und mit melancholischem Blick seinen Dienst verrichtet. Irgendwo in der Pampa Brandenburgs und somit in einem Hinterwäldler-Sozialgefüge, in dem einer wie Wolski allemal ein Außenseiter bleibt.

DER SAMURAI ist Regisseur Till Kleinerts Abschlußarbeit für die Deutsche Film-und Fernsehakademie, wo Kleinert studierte. Ein Umstand, von dem man sich jetzt tatsächlich einmal nicht abschrecken lassen sollte. Denn das, was DER SAMURAI auf seinem Low-Budget-Level bietet, ist ein durchaus reizvoller Genre-Versuch, dem man seine Vorbilder ebenso anmerkt wie den recht eigenen Umgang damit.

Polizist Wolski also ist der traurige Held dieser Geschichte, die an der Oberfläche eine trashige Backwood-Horror-Hommage pflegt. Da ist erst einmal dieser Wolf, der durch die Wälder streift und die Dörfler verunsichert. Und da ist Wolski, der seinerseits heimlich diesen Wolf füttert. Einem Bedürfnis folgend, dessen Ursachen er sich wohl selbst nicht so recht erklären kann. Und dessen Dimensionen sich aufzeigen, als Wolski eines Nachts in einem verlassen Haus diesem seltsamen Wesen begegnet. Diesem Mann mit strähnigem Blondhaar und irrem Blick, der auf dem Leib nur ein weißes Kleidchen trägt – und in der Hand ein Samurai-Schwert.

Daß Wolski ihm dieses selbst liefert, ist einer der hübsch-absurden Erzählzüge dieses Films. Erzählzüge, die weniger der Rationalität wachen Handelns entsprechen, als vielmehr den gespenstischen Mechanismen eines Traumwandelns huldigen. Was DER SAMURAI unter seiner Horror-Oberfläche (die der Film freilich lustvoll und mit auch kräftig blutigen Effekten bedient) vor allem ist, ist eine Gruselmär aus dem deutschen Wald, der erneut als Metaphorik seelischer Nachtschattenwucherungen erblüht.

Die Bestie im Mann, das Tier im Menschen, die unterdrückte Identität, die hier eine der (schwulen) Sexualität ist. Das blutige Erwachen eines „wahren Ichs“ – das alles schwingt in DER SAMURAI, ohne den Film dabei zur Kopfgeburt werden zu lassen. Dafür schwelgt hier viel zu sehr der Horror-Trash-Appeal, dem es indes nicht an jener Atmosphäre fehlt, die eine anständige Grusel-Mär eben braucht.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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