Originaltitel: LE PÈRE DE MES ENFANTS

F 2009, 112 min
FSK 12
Verleih: Farbfilm

Genre: Drama

Darsteller: Louis-Do de Lencquesaing, Chiara Casselli, Alice de Lencquesaing, Alice Gautier, Manelle Driss

Stab:
Regie: Mia Hansen-Løve
Drehbuch: Mia Hansen-Løve

Kinostart: 20.05.10

25 Bewertungen

Der Vater meiner Kinder

Eine Tragödie, nüchtern aufgearbeitet

Grégoire könnte man als glücklich bezeichnen: Eine liebende Frau, drei Töchter und der Job als Filmproduzent machen sein Leben quasi perfekt. Daß er Streß ohne Ende hat – geschenkt! Doch plötzlich beginnt die Fassade zu bröckeln, wir erfahren von Schulden in Millionenhöhe. Einmal bittet Grégoire Gattin Sylvia: „Sag mir etwas Nettes!“ Der Mann ist am Ende, und er sieht nur einen Ausweg, dieser Spirale zu entrinnen …

Mit nüchternem Blick beleuchtet Regisseurin Mia Hansen-Løve den Niedergang von Grégoire, um so ihrem Mentor Humbert Balsan ein Denkmal zu setzen. Da machen schlichte Bilder und wortlose Szenen Verzweiflung und Depression erschütternd spürbar. Nach der furchtbaren Wende fordert die Filmemacherin das Publikum indes erst richtig, indem sie alle Erwartungen unterläuft: Trauer findet innerfamiliär nur kurz statt, es regiert Unverständnis, auch Zorn. Das bleibt zwar nachvollziehbar, rührt aber nicht gerade im klassischen Sinne an und ist fast schade, weil es vor allem den hervorragenden Kinderdarstellerinnen zu gönnen gewesen wäre, ein breites emotionales Spektrum spielen zu dürfen. Aber Hansen-Løve hat anderes im Sinn, sie fokussiert auf das Durchhalten, den schweren Neubeginn. Es obliegt nun Sylvia, die Firma zu retten, während Tochter Clémence heimlich zur Hauptfigur avanciert und ein Familiengeheimnis lüften darf. Ob dadurch die Geschichte bereichert oder zerfasert wird, obliegt dem eigenen Empfinden.

Durch ihre Mischung aus Distanz einerseits und vielen Wendungen andererseits geht die Inszenierung ab jetzt also auf Konfrontationskurs, wehrt sich gegen Erwartungen oder Gefühligkeiten. Doch vielleicht weckt gerade diese Radikalität Interesse und wird Grégoire alias Humbert erst gerecht? Zumal Hansen-Løve am Ende beweist, wie problemlos sie bei Bedarf den Ton hätte wechseln können – zwar muß man glücklicherweise kein Zwangsoptimismus verbreitendes „Alles wird wieder gut“-Finale ertragen, dafür erklingt aber „Qué Será, Será.“

Was erneut irritiert: Metaphorisch für Sylvias weiteres Leben und dessen Unwägbarkeiten stehend, inhaltlich ergo erklärbar, setzt sich das Lied inklusive Doris Days Sauberfrau-Stimme in offensichtlichen Kontrast zum eben Gesehenen. Ein Fehlgriff? Provokation? Der letzte Anstoß für Verstand und Seele? Nur Hansen-Løve kennt die Antwort, aber man kann versuchen, sie für sich zu finden ...

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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