D 2015, 92 min
FSK 16
Verleih: Missing Films

Genre: Drama, Schwul-Lesbisch, Liebe

Darsteller: Yony Leyser, Tim-Fabian Hoffmann, Chloé Griffin, Amber Benson, Anton Andreew

Regie: Yony Leyser

Kinostart: 05.05.16

Noch keine Bewertung

Desire Will Set You Free

Berlin ist tot, es lebe Berlin ...

... so könnte man Yony Leysers neuesten Film verknappen: eine palavernde Ansammlung alles Bunten, Kaputten, Queeren, aber trotzdem mittlerweile im Mainstream angekommenen Untergründigen.

Mittendrin Ezra, gespielt vom Regisseur selbst, ein palästinensisch-israelischer Jude mit deutschen Wurzeln (stark an Leysers Biographie angelegt, der selbst iranisch-israelisch-deutscher Jude ist), der irgendwie auch schriftstellert, meist aber mit seiner Strapon-Hardcore-Polygamie-Nazi-affinen – man beachte das Provokationspotential – Freundin Catherine durch die Schwulenbars tingelt, auf Drogen abstürzt und morgens in irgendwelchen Betten aufwacht.

Einmal ist es Sasha, ein Stricher aus Rußland, der neben ihm liegt. Ezra begehrt ihn wirklich, verliebt sich in ihn, während Sasha vor allem jemanden mit Geld und einer Wohnung braucht. Und endlich seine wahre Sexualität ausleben will.

Tim-Fabian Hoffmann als Sasha, den die Kamera liebt, ist der schauspielerische Lichtblick in Leysers oft doch eher möchtegern-rohen Trip durch die Berliner Nacht. Aber weil es der Regie wichtiger erscheint, beispielsweise nackte, mit Glitter gesprenkelte Menschen halb kopulierend im Park zu filmen, verpaßt Leyser die Chance, Sasha auf seinem Weg zur Frau ernsthaft zu begleiten. Wobei ernsthaft ja nicht ohne Humor sein muß. Und ob es wirklich witzig ist, eine orakelnde Nina Hagen, einen ins Bild wankenden Blixa Bargeld oder Rosa von Praunheim, der einen rosafarbenen Cupcake in schlimmem Englisch bestellt, zu sehen? Wer weiß ...

Leysers Stärke als Regisseur liegt ganz sicher darin, daß er ein selbstbewußter Teil dessen ist, was er mimt, impliziert, zitiert. Er kennt den Code und wird sicher von den „Seinen“ verstanden werden. Nur der Bogen hin zu etwas Anrührendem, auch filmisch Mitreißendem gelingt ihm nicht. Es bleibt, daß er ein Zeitdokument geschaffen hat, das sagt: „Seht her, das war Berlin 2015. Ich war einer von denen.“ Sprach’s und wandelt Hand in Hand mit einem neuen schönen Knaben. Sasha liebt mittlerweile die Ex von Catherine, die wiederum hochschwanger auf der Couch liegt und trotzdem auf eine Bloody Mary rumkommt. Eventuell ist es nicht wichtig für den Plot, wie es dazu kam, Dinge passieren einfach im Leben.

[ Susanne Kim ] Susanne mag Filme, in denen nicht viel passiert, man aber trotzdem durch Beobachten alles erfahren kann. Zum Beispiel GREY GARDENS von den Maysles-Brüdern: Mutter Edith und Tochter Edie leben in einem zugewucherten Haus auf Long Island, dazu unzählige Katzen und ein jugendlicher Hausfreund. Edies exzentrische Performances werden Susanne als Bild immer im Kopf bleiben ...

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