Originaltitel: THE IRON LADY

GB 2011, 105 min
FSK 6
Verleih: Concorde

Genre: Biographie, Polit

Darsteller: Meryl Streep, Jim Broadbent, Richard E. Grant

Regie: Phyllida Lloyd

Kinostart: 01.03.12

2 Bewertungen

Die Eiserne Lady

Interessanter Blick in einen vielschichtigen Charakter

Wer hämisch im Herzen ist, könnte meinen, daß der Einstieg in diesen wunderbaren Film als bewußt gesetzter Treppenwitz gedacht ist: Eine alte, klapprige Frau beschwert sich nach dem Milchkauf über den hohen Preis. Nur ist diese alte Frau nicht irgendein betagter Mensch, der sich zeitlebens für die sozial Schwächeren und die Gerechtigkeit auf Erden engagiert hätte. Nein, ganz im Gegenteil, diese Dame ist Margaret Thatcher, die – für ihre Härte berühmt und berüchtigt – den Film gewordenen Titel trug und dennoch von einem Teil des Volkes fast liebevoll Maggie genannt wurde. Nun ist die Regisseurin Phyllida Lloyd gewiß kein schlechter Mensch, und somit wird die Marschrichtung ihres Films schnell klar – eine biographische Skizze mit den wichtigsten Stationen einer außergewöhnlichen Karriere soll es sein, zudem ein respektvoller Blick in den vielschichtigen Charakter einer wahrlich toughen Frau.

DIE EISERNE LADY ist somit das Gegenstück einer filmischen Abrechnung geworden, auf die vielleicht einige gehofft haben, weshalb in England nun so mancher bockig-verschnupft eher ums Kino herumschlich als denn reinzugehen. Aber Lloyd war gut beraten, dies genau so zu tun, wie sie es tat, weil Heldenhaftes im Kino und eben auch filmisches Nachtreten zu oft in subjektiver Verneblung versickern, und Miss Lloyd hatte gewiß keine machtpolitisch gefärbte Mission zu erfüllen. So erzählt sie einfach aus einem interessanten Leben. Dieses Kinostück darüber wird auf höchstem Niveau und mit allen Zutaten kredenzt, die ein solches braucht: Historisches verbindet sich mit dem Hier und Jetzt, die berufliche und private Agilität Thatchers wird verknüpft mit dem Winter ihres Lebens, die Härte steht neben einem doch durchaus berührenden Anflug von Altersmilde und dem unleugbaren Starrsinn hoher Jahre.

Thatcher wurde als Tochter recht einfacher Krämerleute geboren, sie wird ihr Leben lang an dieser Herkunft leiden, sie war ihr aber auch Stachel: Euch werde ich es zeigen! „Euch“ – das ist die patriarchalisch-hermetisch abgeriegelte Welt der Entscheider, der politischen Tiere, der Bosse. Und daran muß man erinnern: In jenen Reihen gab es vor Thatcher einfach keine Frau! Gezeigt werden nun die ersten Wahlkampferfolge, die wichtigsten Stationen dieser Politkarriere, die so nur möglich war, weil Thatcher eben tatsächlich auch im Privaten ein autoritäres Wesen war, worunter ihr getreuer Mann Denis und auch die Kinder litten.

Der Film hat gerade für Spätgeborene durchaus auch informativen Wert, wenn es um die Thatcher-Politik bestimmende Themen wie IRA und Falklandkrieg geht. Hingegen etwas zu lange hält sich DIE EISERNE LADY in den frühen 50ern auf, wobei auch da schöne Momente gelingen – die vor allem damit zu tun haben, wie Maggie auf Denis trifft. Die Geschichte funktioniert gut durch dieses recht altmodische Hin-und Herblenden, das eine Frau auf ihrem Zenit und dann wieder als durch Einsamkeit und zittrige Whiskyabende geprägte Greisin zeigt. Die aber eben doch bis ins hohe Alter der Machtmensch bleibt, der sie immer war, der eitel der Enthüllung eines Porträts in der Downey Road entgegenfiebert. Klar, ein fast zahmes, aber doch durchaus prägnantes Auflodern einer ewigen Potenz, die sich in kräftigeren Zeiten, auf dem Höhepunkt kalter und lauwarmer Kriege, noch wie ein Alarmschrei vom Kinderspielplatz in Durchmarschbefehlen entlud: „Sink It!“

Im übrigen: Thatcher wird von Meryl Streep gegeben. Unnötig also, dem noch etwas hinzuzufügen.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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