Originaltitel: THE GRAND SEDUCTION

Kanada 2013, 113 min
FSK 0
Verleih: Wild Bunch

Genre: Komödie

Darsteller: Brendan Gleeson, Taylor Kitsch, Liane Balaban

Regie: Don McKellar

Kinostart: 10.07.14

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Die große Versuchung

Sozialmärchen mit Charakterriesen

Einst waren sie stolze Fischer, die Bewohner des kleinen kanadischen Inselortes Tickle Head. Generation auf Generation lebte vom Meer, und wenn dieses Leben auch manchmal hart gewesen sein mag, war es doch auch ein selbstbestimmtes und genau deshalb glückliches.

Zumindest scheint das so, wenn man den Erinnerungen des brummigen Murray glauben will. Mit denen nämlich eröffnet Don McKellars DIE GROSSE VERSUCHUNG. Eine Komödie über große Lügen auf wackligen Beinen, ein warmherziges Sozialmärchen in wildromantischer Küstenlandschaft, voll des kauzigen Personals. Und ein Film, der ganz nebenher zeigt, wie der titelgebenden großen Versuchung die große Demütigung vorausgeht, wenn die Bewohner von Tickle Head in der Schlange vorm Postamt stehen, um dort ihre Sozialhilfeschecks abzuholen. Denn mit Stolz und Fischfang ist es schon lange vorbei und Änderung, also Arbeit, nicht in Sicht.

Bis im Grau der Resignation ein fahler Hoffnungsschimmer leuchtet. Ein Petroleum-Konzern sucht einen Platz für eine neue Fabrik. Vorrausetzung für deren Errichtung: mindestens 150 Einwohner samt eines praktizierenden Arztes vor Ort. Nichts, womit Tickle Head dienen kann. Doch dann landet durch eine Verkettung recht absurder Zufälle der junge Dr. Lewis in Tickle Head. Eigentlich angehender Schönheitschirurg, hat der die Aufgabe, hier für einen Monat die Praxis zu übernehmen. Ein Wink des Schicksals. Denn daß Mr. Lewis mindestens so lange bleibt, bis Tickle Head den Zuschlag als Werksstandort bekommt – dafür sorgen fortan Murray und Dorfbewohner mit einem Netz aus Seemannsgarn, Lügen und Finten.

Und ja, das ist schon ein Vergnügen, wie da der Doc ausspioniert und analysiert wird, wie daraufhin etwa plötzlich seine asiatische Lieblingsspeise auf der Karte der Fischerkaschemme landet, oder die Männer des Dorfes, eigentlich eingefleischte Eishockey-Fans, sich zu tapsigen Cricket-Spielern mausern. Alles, um Mr. Lewis in Tickle Head den Himmel auf Erden zu bieten.

McKellar zeigt das mit Lust am Skurrilen und verläßt sich ansonsten ganz und zu Recht auf Dialogwitz und Schauspieler. Allen voran Brendan Gleeson, der als mürrischer Murray ein in all seinen Unzulänglichkeiten liebenswertes Schlitzohr ist. Wettergegerbt, rauhbeinig, charmant. Ein großherziges Charakterschwergewicht. Ganz diesem Film entsprechend.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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