D 2020, 92 min
FSK 0
Verleih: X Verleih

Genre: Literaturverfilmung, Komödie, Polit

Darsteller: Dimitrij Schaad, Das Känguru, Volker Zack, Henry Hübchen, Rosalie Thomass, Carmen-Maja Antoni

Regie: Dani Levy

Kinostart: 05.03.20

18 Bewertungen

Die Känguru-Chroniken

Kling-Klang, Du und ich!

Komisch, immer diese Fragen, ob man „damit“ etwas anfangen kann! Mit Marc-Uwe Kling und seinen (gern Hör-)Büchern, mit dem Stil an sich und „diesem“ Humor. Warum denn nicht? Er hat wenigstens einen solchen!

Wenn es bei Kling an der Wohnungstür klingelt, ist eine Pfote am Knopf. Zumindest am Anfang, denn gleich zieht es ein, das kommunistische Känguruh mit Drang zu Schnapspralinen, Sprücheklopferei und Spontanverwandlung. Auch im Kino nimmt man das Beuteltier einfach an, denn es ist auf Zack (siehe Darstellerliste). Es kann in Berlin-Kreuzberg aufkreuzen, und kaum einer schert sich um seine, nun ja, potentielle Fehlbesetzung als Mitbürger. Hat der Marc-Uwe eben ein Känguruh! Der Kleinkünstler mit Migränehintergrund, der sich nicht selbst spielt, weil er es hätte nicht besser machen können als der, der ihn spielt.

Klings Figur trifft noch jedes Kleinkünstlerklischee, schlurft als Maskenschläfer auch tagsüber im Schlafi rum, kann damit freilich die schöne Mutter Maria von oben nicht beeindrucken. Sie hat zudem Regeln, die vielleicht aber auch nur geflunkert sind. Die anderen Typen sind es nicht. Türken aus dem Späti, Herta, die – logisch – härter ist, Helge im Frühsport-TV, der Psychiater als Weinbrandstifter, Rudelnazis als Patrioten, von denen sich der Dickste das Reich auf den Wanst tätowiert hat und es so noch größer macht. Und Don Immobilio Jörg Dwigs, auf rechts blondiert und aufgefönt, mit wohlfeilen Knallchargen als Vorlage. Motto: Nimm Dir doch Europa, wenn Du es willst! Mit drei Edelkarren und Hasenpfötchen samt irrwitziger Herkunft, einer schwangeren Frau, die sich um ein Kiezbier mit Klarem drin keine Rübe macht und auch nicht davor, mit Babybauch die Fahrstuhltür zu bremsen.

Der seit Monaten clever in Stellung gebrachte Film ist ein funktionierendes Extrakt aus Klings feinsinnig-episodischen Kurzgeschichten mit Alleinstellungsmerkmal, gepfefferten Wortspielen und klugen Pointen. Alles hat einfach visuelle Entsprechung gesucht, vor der der mäkelnde Fan im Vorfeld durchaus Manschetten haben könnte. Versprochen, er wird Fellhärchen in der Suppe finden! Doch DIE KÄNGURU-CHRONIKEN für die Leinwand, die Kling ja nicht aus der Hand gegeben hat, setzen sich treffgenau zwischen Frech- und Albernheit, sind so vergnüglich wie überdreht. Und am Ende ein Graffiti, nein, Graffito als letztes Wort. Bis zum zweiten Teil!

[ Andreas Körner ]

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Die Känguru-Chroniken ab heute im Kino in Leipzig