Originaltitel: TWARZ

Polen 2018, 91 min
FSK 12
Verleih: Grandfilm

Genre: Satire

Darsteller: Mateusz Kosciukiewicz, Agnieszka Podsiadlik, Malgorzata Gorol

Regie: Malgorzata Szumowska

Kinostart: 14.03.19

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Die Maske

Bitterböser Spiegel

Ein kleines, rotes Auto jagt über die Landstraßen einer abgelegenen, polnischen Gegend, der langhaarige Typ am Steuer hört dazu laut Heavy Metal und headbangt wild. Wenn er so durchs Dorf rollt, bekreuzigen sich die alten Leute, als führe der Antichrist persönlich vorbei. Jacek gefällt sich offenbar in seiner Außenseiterrolle. Die lästigen Bemerkungen seiner Familie, er solle doch endlich aufhören, wie ein Affe herumzulaufen und erwachsen werden, überhört der Freigeist mit einem Lächeln. Sein saufender Schwager verdächtigt ihn ohnehin, sich für was Besseres zu halten und, sobald möglich, nach Großbritannien abhauen zu wollen, dabei gehört ein Pole doch nach Polen.

Aber vorerst verdingt sich Jacek beim Bau der weltweit größten Christusstatue unweit des Dorfes – höher als die in Rio de Janeiro, wie der Pfarrer nicht müde wird zu betonen. Und außerdem ist da noch die sinnliche Dagmara, die er gern zu seiner Frau machen würde. Aber ein schrecklicher Arbeitsunfall verändert alle Zukunftspläne. Der junge Mann überlebt knapp dank einer Gesichtstransplantation. Die macht ihn zum Medienstar und gleichzeitig zum Außenseiter. Jacek verschwindet geradezu hinter seinem neuen Gesicht. Von nun an ist er im Dorf und selbst in seiner Familie nur noch die „Visage“ – wie der Film im Original betitelt ist. 

Diese Geschichte klingt zunächst nach einem Melodram, das einen Menschen auf dem Weg zurück ins Leben zeigt. Aber die vielfach ausgezeichnete Regisseurin Malgorzata Szumowska macht daraus eine bitterböse Groteske. In DIE MASKE hält sie ihren Landsleuten einen bitteren Spiegel vor: Nationalismus, Homophobie, Alkoholismus, Bigotterie, Konsumversessenheit, Sensationsgeilheit und religiöser Eifer. Dabei wird die Enge in den Köpfen nur noch von der Enge in den Herzen übertroffen. Ausnahmen gibt es wenige.

Doch Szumowska belehrt nicht von oben herab, vielmehr seziert sie mit kaltem Skalpell. Sie haßt genauso leidenschaftlich, wie sie liebt und trifft deshalb mit einigen Szenen direkt ins Herz. Schließlich ist kaum etwas trauriger als eine Liebe, die erkaltet, weil die Menschen sich nicht mehr hinter ihren Fassaden erkennen. Dazu setzen die atmosphärisch dichten Bilder vom herausragenden Kameramann Michalł Englert gekonnt Unschärfen. Jacek sieht nach dem Unfall nur noch eingeschränkt, zuvor aber ist der Gesellschaft als ganzer der klare Blick abhanden gekommen.

[ Dörthe Gromes ]

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