Originaltitel: LA MARCHE DE L’EMPEREUR

F 2004, 80 min
Verleih: Kinowelt

Genre: Dokumentation

Regie: Luc Jacquet

Kinostart: 13.10.05

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Die Reise der Pinguine

Mitreißende Geschichte vom harten Leben auf dem Eis

Eigentlich sind sie immerzu unterwegs. Oft blitzschnell und elegant im Wasser, sehr lange auch auf ihren ungeschickten Füßchen oder eben übers Eis rutschend auf dem wohlgenährten Bauch. Im Märzen, wenn der antarktische Winter beginnt, suchen sich die Kaiserpinguine in kräftezehrenden Wanderungen einen Platz der Liebe. Wenn das Balzritual lautstark vonstatten gegangen ist, und das Weibchen später mit Geschick - aus dem Stand quasi - ein vor dem ewigen Eis zu schützendes Ei gelegt hat, hat es kaum Zeit, sich von den Strapazen zu erholen. Nun geht es wieder auf die kilometerlange Suche nach Eßbarem. Für sich, für das Männchen, welches in einer Art Babyurlaub das Ei beschützt, und schließlich und vor allem für das bei ihrer Rückkehr geschlüpfte Junge. Ein Kraftakt, den sich die Natur für diese anmutigen Tiere ausgedacht hat. Einer der, wie diese beeindruckende Dokumentation zeigt, Opfer fordert. Nicht alle jungen Pinguineltern sind in der Lage, ihr Kleines vor dem Eis und aggressiven Sturmvögeln zu schützen. Selbst bei der Krillsuche warten Räuber auf die Großen, wie schreckvoll die Attacke eines scharfzahnigen Seeleoparden zeigt ...

Nein, dies ist nicht einfach nur eine weitere "Tierdoku", auch wenn sie sich zweifelsfrei in die Erfolgskette von Filmen wie MIKROKOSMOS, NOMADEN DER LÜFTE oder eben DEEP BLUE einordnen wird. Dafür ist dieses Werk zu außergewöhnlich. Auch in seiner Erzählstruktur und Form. So wird in das Zentrum der Geschichte über das in Zyklen funktionierende Leben eine Familie aus Mutter, Vater und Kind gesetzt, durch deren Augen und aus deren Herzen heraus erzählt, ihnen gar Stimmen verliehen. Dies gerät durch Originalität, Feingefühl, dem Wechsel aus naturgegebener Dramatik, anmutiger Poesie und - gerade durch die tapsigen Kleinen - auch mit Humor niemals, auch wirklich niemals in den Ruch kitschiger Vermenschlichung weithin bekannter Disneyscher Tiercharaktere.

Im Prinzip wird anhand der Pinguingeschichte von der Härte und Schönheit des Lebens an sich erzählt. Von sozialen Mustern, vom Miteinander, vom Überleben, von familiärem Zusammenhang, kindlichem Spiel und der Bedrohung von außen. Formal überzeugt der Film durch bisweilen surreale Bildkompositionen, diese merkwürdig unberührten Eislandschaften, die eher Ruhe und Ausgeglichenheit, kaum aber harte Überlebenskämpfe vermuten lassen, das bezaubernde visuelle Spiel aus kalt-gleißendem Licht, diese täuschende Sonne und die bizarren Wechsel aus schwermütigem Opal und unbarmherzigem Azur. Und durch die Musik. Gottlob wurde keine schwülstige Orchestrierung dem Kampf der Pinguine unterlegt. Die Französin Emilie Simon lieferte Score und Lieder, die bisweilen an Björk, Stina Nordenstam oder Portishead erinnern und in ihrer Spielfreude und Fragilität ein faszinierendes Kunstwerk abrunden.

Nein, diese Reise ist nicht nur Ausflug in unbekannte Sphären, kein Sielmannscher oder Grzimekscher TV-Exkurs, sie ist wahrhaft großes Kino.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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