D 2019, 91 min
FSK 0
Verleih: Farbfilm

Genre: Dokumentation

Regie: Radek Wegrzyn

Kinostart: 28.02.19

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Die Schule auf dem Zauberberg

Erwachsenwerden bei Superreichen

Ein dokumentarisches Gegengift zu all den Geissens, Maschmeyers und den „Rich Kids On Instagram“ – Regisseur Radek Wegrzyn geht dahin, wo man so viel Geld hat, daß man dazu lieber schweigt. Mit DIE SCHULE AUF DEM ZAUBERBERG gelingt ihm trotz aller Zurückhaltung ein berührender Blick hinter die Kulissen der Welt der Superreichen. Die Schüler der noblen Leysin American School gehören zur zukünftigen Elite der Welt. Ihre Eltern bezahlen weit mehr als 100.000 EUR Schulgeld – pro Jahr. Materielle Sorgen kennen diese Kinder nicht. Das heißt aber keineswegs, daß sie wunschlos glücklich sind. Freunde und Anerkennung kann man nicht kaufen, und gegen die eigene Unsicherheit hilft auch kein dickes Bankkonto. Der 17jährige Berk kämpft außerdem damit, daß sein ehrgeiziger Vater ihm die Anerkennung verweigert, wenn er sich dessen Lebensstil nicht anpaßt. Dabei verhält sich der junge Türke wie ein ganz normaler Teenager, schwankt zwischen Selbstzweifeln und Begeisterung, hat keine Lust auf Schule und will viel lieber in Istanbul Zeit mit seinen Freunden verbringen, als in der Schweiz zu büffeln. Der Vater droht und sperrt die Kreditkarte, Berk löffelt Tütensuppen und überläßt sich dem eigenen Phlegma. Tag für Tag steht er sich selbst im Weg, und nicht mal die 1:1-Betreuung an der Schule scheint daran etwas ändern zu können. Erst als sein engagierter Sozialkundelehrer die privilegierten Kids mit den Grenzen des Wachstums konfrontiert und Berk das Konzept der Permakultur nahebringt, beginnt sich in seinem Kopf etwas zu bewegen.

Es ist nicht einfach, einen glaubhaften dokumentarischen Coming-Of-Age-Film zu drehen, erst recht nicht in einer Umgebung, in der Diskretion so groß geschrieben wird. Daß es trotzdem gelungen ist, hat mehrere Gründe. Zum einen ließ sich Wegrzyn nicht davon beirren, daß eine ganze Reihe Jugendlicher nicht gefilmt werden durfte (und verdeckte ihre Gesichter – ganz im Stil von Instagram – einfach mit digitalen Masken, die an Emojis erinnern). Zum anderen legt sein Gegenüber Berk eine überwältigende Ehrlichkeit an den Tag, die einem auch dann das Herz öffnet, wenn man sich gerade gefragt hat, warum dieses große Baby sich nicht einfach mal zusammenreißt und über seinen Schatten springt. Der Grund dafür ist einfach. Der riesige Schatten, den sein Vater wirft, macht es ihm fast unmöglich, die eigenen Grenzen zu erahnen.

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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