D 2009, 103 min
FSK 16
Verleih: Senator

Genre: Literaturverfilmung, Mystery

Darsteller: Mads Mikkelsen, Jessica Schwarz, Thomas Thieme, Heike Makatsch, Suzan Anbeh

Regie: Anno Saul

Kinostart: 26.11.09

4 Bewertungen

Die Tür

Eine zweite Chance im Mystery-Gewand

Weil David lieber seine Nachbarin vögelt, als auf Tochter Leonie aufzupassen, ertrinkt das Mädchen im Pool. Gattin Maja kann nicht verzeihen, die Ehe zerbricht, der ehemals erfolgreiche Maler versinkt im Selbsthaß und unternimmt fünf Jahre später schließlich einen Suizidversuch, welcher zwar mißlingt, aber gleichzeitig eine versteckte Tür offenbart. Selbige führt zurück in der Zeit, konkret zum Augenblick der Tragödie. David kann sie diesmal verhindern, doch gibt es ihn nun doppelt – als damalige und jetzige Version. Beide treffen unglücklich aufeinander, der „gute“ David tötet im Handgemenge seinen „bösen“ Zwilling, vergräbt die Leiche amateurhaft im Garten und sieht seine Chance, auch weitere vergangene Fehler nicht zu wiederholen. Maja läßt sich nach einigen äußerlichen Korrekturen zwar wirklich täuschen, doch Leonie weiß genau: „Das ist nicht mein Papa!“

Nach diesem gelungenen Prolog hängt der Spannungsbogen indes erst mal wegen eher müder Handlungsstränge, in denen David versucht, die Zuneigung von Frau und Kind zu erringen, etwas durch, was Gelegenheit zum gedanklichen Abschweifen bietet: Wer handelt Jessica Schwarz, die emotionales Spiel mit Hysterie verwechselt, eigentlich als Talent? War nach Engagement eines internationalen Stars – hier Mads Mikkelsen – kein Geld mehr übrig, ihn ordentlich zu synchronisieren? Hat Heike Makatsch ihre Hairstylistin oder (was das kleinere Übel wäre) Perückenmacherin für deren Arbeitsverweigerung verklagt? Wieso müssen viele Szenen an Wirkung verlieren, weil diese unerträgliche Musiksuppe alles zukleistert? Und warum übernehmen deutsche Regisseure plakativste Mittel ihrer US-Kollegen, weshalb es zum Beispiel während Schlüsselmomenten natürlich wie aus Kübeln gießt?

Solcherlei Kleinigkeiten sind allerdings spätestens vergessen, wenn die erstaunlich dichte Erzählung wieder an Fahrt gewinnt und dunkle Schatten über dem vermeintlichen Neuanfang hereinbrechen. Dann sterben weitere Menschen, wird der Begriff „Selbstmord“ nur allzu wörtlich interpretiert, lugt manchmal fast Ira Levins „Stepford“-Universum aus einem zunehmend perfiden Schreckensszenario, gewinnen Worte wie „wir“ oder „uns“ gruselige Bedeutung und beweist sich, daß Mystery-Thriller aus Deutschland für dezent feuchte Hände sorgen können. Bis zum Ende, welches den Kreis auf zynische Weise zu schließen versteht.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme mit Wahrheit. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Und Frank kann GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.