Originaltitel: AU POSTE!

F/Belgien 2018, 73 min
FSK 6
Verleih: Little Dream

Genre: Komödie, Schräg

Darsteller: Benoît Poelvoorde, Grégoire Ludig, Anaïs Demoustier

Regie: Quentin Dupieux

Kinostart: 12.12.19

Die Wache

Guter Film, sozusagen

Es stellt sich vor: Kommissar Buron, gestreßt, genervt, etwas doof, aber lösungsorientiert! Er wittert einen großen Fisch am Haken, den schnauzbärtigen Fugain, mutmaßlicher Mörder, die Beweislage ist wahrlich erdrückend: Fugain verließ in der Tatnacht unzählige Male seine Wohnung! Der Befragte ist ungeduldig, weiß um seine Unschuld, will das Verhör schnellstens beenden, hingegen Buron sich in aufblitzender Gescheitheit windet und den Fall im behördlichen Zweifingersystem zu Papier bringt.

Monsieur le Commissaire ist getrieben, hält sich für ein ganz besonderes Cleverle, manchmal gehen ihm die Gäule durch, da wirft er auch schon mal einen Locher auf Mitarbeiter. An einem derart stressigen Abend braucht selbst ein gewiefter Vernehmer wie Buron Fluppe und Kaffee, er verläßt daher für einen Moment die Amtsstube, schwört den Kollegen Philippe noch darauf ein, auf einen Ganoven vom Kaliber Fugains unbedingt ein Auge zu werfen. Daß sich die Ereignisse bald überschlagen, liegt schon daran, daß der Trottel Philippe nur ein Auge hat ...

Man kommt nicht umhin zu sagen, daß sich das Kino bisher nur selten in derart erfrischender Beklopptheit präsentiert hat, Quentin Dupieux und seine spielfreudigen Mimen scheren sich so wenig um bürgerlich goutiertes französisches Kino, daß es ein einziger bauchhaltend komischer Genuß ist. Allein diese ewigen Wortklaubereien Burons sind zum Niederknien, Worthülsengefechte, bei denen mit redundanten Nullkonklusionen wie „C’est pour ça (sozusagen)“ wild geschossen wird, Running Gags über angefressene Schoko-Riegel fügen sich perfekt in eine Polizeistuben- und Dummquatschergeschichte, in der sich selbst ermittlungssichere Typen wie Buron schon mal irren können und einen abgehackten Zeh doch tatsächlich für einen kleinen Penis halten!

Dupieux ist geschickt genug, seinen Figuren die teils abgeschmackte Hülle zu unterfüttern, natürlich haben auch die ein Privatleben mit Schattenseiten, Buron selbst hat familiäre Gründe, nicht zwingend nach Hause zu müssen, weshalb er einer derart herausfordernden Befragung eben in aller gebotenen Gründlichkeit nachgeht. DIE WACHE entfesselt ein Sammelsurium an Absurdem, wir erleben nackt orchestrierende Möchtegerndirigenten, Rauch steigt aus Brustkörben, Blut tropft aus Aktenschränken, Austern werden auf ungebührliche Weise verzehrt, in diesem vom Rollkragenpulli-Irrsinn regierten Kinostück scheint alles möglich. Guter Film, sozusagen.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

Lesezeichen:

Die Wache ab heute im Kino in Leipzig

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