F/D 2014, 84 min
FSK 12
Verleih: Koch Media

Genre: Drama, Historie

Darsteller: André Dussollier, Niels Arestrup, Burghart Klaußner, Robert Stadlober

Regie: Volker Schlöndorff

Kinostart: 28.08.14

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Diplomatie

Das letzte Gerangel in Paris

So eindeutig, wie die Titanic gesunken ist, blieb Paris im Zweiten Weltkrieg unzerstört. Kino fühlt sich von solchen Realitäten in besonderem Maße herausgefordert. Denn der Zuschauer kennt das Ende, wichtig ist, was bis dahin geschah. Für DIPLOMATIE wählte Regisseur Volker Schlöndorff ein Kammerspiel, in dessen Mittelpunkt zwei Figuren und damit zwei Schauspieler um sich selbst kreisen und mit brillant geschliffenem Wort die Last einer schwerwiegenden Entscheidung zu stemmen haben.

Louvre, Nôtre-Dame, Sacré-Cœur, Eiffelturm, die Brücken der Hauptstadt, alles ist akribisch zur Sprengung vorbereitet. Den Befehl erhielt der kommandierende General von oben. Im Hotel Meurice hat Dietrich von Choltitz seine Basis und gedenkt selbige nicht aufzugeben, ganz gleich, wie dicht die Alliierten vorrücken. Hitlers Anweisung war klar: Paris solle bestenfalls als Trümmerfeld „dem Feind in die Hände fallen.“ Daß es gehalten werden könne, ist längst im Reich der Unmöglichkeiten gelandet. Der linientreue Offizier weiß es auch, doch er wird herausgefordert. Von Choltitz bekommt Besuch.

DIPLOMATIE fußt auf einem Theaterstück. Schlöndorff tat gut daran, dessen Struktur beizubehalten und sich auf die Duelle zwischen von Choltitz und seinem Gast Raoul Nordling, dem schwedischen Generalkonsul von Paris, zu verlassen. Da Kino nun mal Kino ist, kommen feine Gesten und Mienenspiele hinzu, Schweißperlen auf der Stirn, Blitze in den Augen, die André Dussollier und Niels Arestrup wirklich meisterhaft und nachdrücklich ausspielen. Der Diplomat will den General vom Verkünden des Sprengungsbefehls und damit vom Auslöschen einer sündhaft schönen Stadt abbringen. Äußerst geschickt und mit der Raffinesse eines Aales parliert er mit seinem Gegenüber um den Haken herum, reizt von Choltitz, sucht bei ihm nach Resten von echter Ehre und Moral, findet Angriffsflächen im Privaten.

Türen gehen auf und zu, wenige Menschen gehen ein und aus, für Minuten nur verläßt DIPLOMATIE den Raum. Selbst das wäre verzichtbar gewesen. Denn die historische Zuordnung kann sich jeder selbst erlesen. Diese Stunden im August 1944, die es so nie gegeben hat, aber durchaus gegeben haben könnte, sind jetzt komprimiertes, intensives, in Momenten gar lakonisches Geschichtskino, weil es von Menschen erzählt, die hinter Jahreszahlen, Fakten, deren Konsequenzen und Jubiläen stehen.

[ Andreas Körner ]