D 2008, 106 min
Verleih: Zorro

Genre: Drama

Darsteller: August Diehl, Marleyda Soto, Victor Villegas, Hernán Méndez, Andrés Parra, David Steven Bravo

Regie: Tom Schreiber

Kinostart: 14.08.08

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Dr. Alemán

Ohne Vernunft hinein in die Grenzerfahrung

Handelt ein Arzt richtig - seinem hippokratischen Eid gemäß - wenn er einen schwer verletzten Mörder rettet, obwohl er weiß, daß dieser danach wieder Menschen töten wird? Oder anders gefragt: darf ein Arzt Schicksal spielen?

Als der 26jährige Medizinstudent Marc sein praktisches Jahr in einem Krankenhaus im kolumbianischen Cali antritt, hat er zunächst wenig Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Schon sein erster Arbeitstag ist geprägt von den blutigen Folgen der Gewalt rivalisierender Banden. Marc atmet durch - und legt los. Denn genau das hat er vermißt in seinem gesicherten Leben in Deutschland. Adrenalin, Action und Abenteuer. Den Zynismus seiner reichen und latent gelangweilten kolumbianischen Kollegen verachtend, orientiert sich Marc schnell anderswo, streift durch die Favelas, wo er die toughe Kioskbesitzerin Wanda kennenlernt, die bei seinen unbedarften Schritten im Ghetto zwar eine schützende Hand über ihn hält, ihn aber gleichzeitig inständig bittet, nicht zu tief ins fremde Territorium einzudringen. Doch Marc will von Vernunft nichts wissen und macht sich fast zwanghaft auf die Suche nach Grenzerfahrungen. Mit seiner naiven Fehleinschätzung, daß er selbst etwas an den katastrophalen Umständen in der Favela ändern kann, verstrickt er sich immer tiefer in den Bandenkrieg.

Basierend auf einer wahren Geschichte hat der Regiedebütant Tom Schreiber diesen ungewöhnlichen und durchaus lohnenden Stoff mit August Diehl in der Hauptrolle in Szene gesetzt und dabei glücklicherweise der Versuchung widerstanden, sich formal an herausragenden Meisterwerken wie CITY OF GOD oder TROPA DE ELITE zu orientieren. DR. ALEMÁN ist - obwohl er auf spanisch und mit einem großen kolumbianischen Team gedreht wurde - ein relativ klassischer deutscher Film geworden, in dem es kaum Action-Elemente und dafür umso mehr geschliffene Dialoge gibt.

Wenig Risiko ging man mit der Auswahl Diehls ein, der zum wiederholten Mal den hohlwangigen, ausgezehrten Charakter am Rande des Wahnsinns spielt - eine Rolle, die dem Ausnahmemimen einfach nichts mehr abverlangt. Hier wäre ein bißchen mehr Abenteuerlust angebracht gewesen.

[ Luc Caro Ziemann ]

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