Originaltitel: THE EDGE OF LOVE

GB 2008, 110 min
FSK 12
Verleih: Koch Media

Genre: Drama, Liebe

Darsteller: Keira Knightley, Sienna Miller, Matthew Rhys, Cillian Murphy, Lisa Stansfield

Regie: John Maybury

Kinostart: 23.07.09

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Edge Of Love

Ein Pferdefuß namens Mama

Manche große Liebe begann bekanntlich in einem öffentlichen Verkehrsmittel. So indirekt auch hier: Als Soldat William im kriegsgeschüttelten London des Jahres 1941 einen zum Luftschutzbunker umgebauten U-Bahnhof aufsucht, steht dort Sängerin Vera und (logisch) singt. Die ätherische Schönheit verzaubert den Heißsporn durch Stimme und Anmut, weswegen eine Annäherung folgt. Vorerst spielt Vera zwar die schwer zu kriegende Kratzbürste, letztlich kann sie William – oder den himmelblauen Augen seines Darstellers Cillian Murphy – allerdings doch nicht widerstehen, obwohl justament ihre Jugendliebe in Gestalt des Dichters Dylan Thomas auftaucht. Was dessen Ehefrau Caitlin, Veras zukünftige Seelenverwandte, mit Argwohn beobachtet.

Was wir hier haben, ist also ein per se klassisches Vierecksverhältnis inklusive wechselnder Zuneigungen, Krisen und sämtlichen anderen bekannten Zutaten, dessen besonderer Twist allerdings im freundschaftlichen Miteinander der beiden Frauen besteht. Das hätte hervorragend funktionieren können, zumal Keira Knightley verblüffendes Gesangstalent beweist, Sienna Miller nie stärker agierte und audiovisuell so einiges geboten wird.

Doch Drehbuchautorin Sharman Macdonald, hauptberuflich Keira Knightleys Mutter, weiß dem starken Stoff bloß wenig abzugewinnen. Nicht nur, daß ihre Kriegsschilderungen immer ästhetisch brav bleiben, nirgends das Grauen Substanz gewinnt, selbst wenn mal alibimäßig eine Armamputation ansteht – zwischenmenschlich fällt Macdonald ebenfalls praktisch ausschließlich Kitsch ein. Da muß die erwähnt brillante Miller bange Worthülsen á la „Ich bin doch das Licht Deines Lebens, oder?“ artikulieren beziehungsweise frühemanzipatorisch poltern: „Ohne Männer wäre die Welt ein viel besserer Ort!“ Mag man glauben, aber durch solche hier zusammenhanglos in die Botanik gegeiferten Nichtigkeiten gerät die Figur zur Farce.

Dummerweise wittert auch die Synchronisation ihre Chance und schmettert dem Zuschauer mit Hang zur beängstigenden Deklamation entgegen; gerade Knightleys Sprecherin scheint sich auf einer Bühne zu wähnen. Also dem Ort, welcher dem überhöhten Gesamtergebnis viel besser entsprochen hätte. Als Film bleiben Liebe, Leidenschaft, Krisen, Gefühle und emotionale Opfer aber bloß Behauptungen, die man in raschelnden Dialogen oder hübscher Kameraarbeit sucht, ohne fündig zu werden.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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