Originaltitel: THE GOOD HEART

DK/Island/USA/F/D 2009, 95 min
FSK 12
Verleih: Alamode

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Brian Cox, Paul Dano, Isild Le Besco, Stephanie Szostak

Stab:
Regie: Dagur Kári
Drehbuch: Dagur Kári

Kinostart: 25.11.10

1 Bewertung

Ein gutes Herz

Die Bar, das Leben, der Tod

Lucas hat wohl tatsächlich das titelgebende gute Herz: Der junge Obdachlose schenkt Fremden sein letztes Geld, teilt brüderlich Essen mit einem Kätzchen und singt es dann in den Schlaf. Kein Wunder, daß so ein Mensch an der Welt verzweifelt und ihr mittels Suizidversuch entkommen will. Im Krankenhaus lernt Lucas, gerade so gerettet, Jacques kennen, dessen Herz aber in doppelter Hinsicht weniger hohe Qualität aufweist: Einerseits brachte ihn sein fünfter Infarkt ins Hospital, und andererseits benimmt sich der Barbesitzer wie ein Arschloch. Eine brisante Kombination, wegen derer die behandelnde Ärztin Jacques voller Wärme begrüßt: „Nicht schon wieder! Können Sie nicht einfach sterben?“

Durchaus deutlich, diese Ansage, zudem passend für einen Film, der verbal häufig keinerlei Gefangenen macht, dafür aber dem schauspielerischen Schwergewicht Brian Cox sämtliche Möglichkeiten offenbart, so richtig widerlich alles und jeden zu hassen, am meisten sich selbst. Wichtig ist Jacques ausschließlich seine Bar, welche er mangels Sozialkontakten niemandem vererben kann, weswegen kurzerhand Lucas zwecks Nachfolge rekrutiert wird. Doch der Schwiegermuttertraum ist viel zu sanft, behandelt die Gäste zu nett, und dann verliebt er sich auch noch, obwohl Frauen für Jacques der Horror sind! Was tun?

Es ist ein Mikrokosmos, den Regisseur Dagur Kári so formidabel auf die Leinwand zaubert, beginnend mit dem ungleichen Männerpaar und endend beim Stammpublikum der Kneipe. Niemand hat eine Vergangenheit, alle leben nur im Jetzt, die Zukunft bleibt ungewiß, was aber keinen daran hindert, sich in sprödem Humor zu ergehen, zumal Jacques’ Zynismus irgendwie schon wieder erfrischend wirkt: Nie geriet die Zubereitung einer Bloody Mary komischer. Als reizvoller Gegensatz dazu fungiert allerdings eine todtraurige Musikuntermalung – tarnt sich die menschliche Tragödie jedes Einzelnen vielleicht bloß als Komödie? Brennt hinter den schmutzigen, jedes Licht verweigernden Bildern emotionale Glut? Ist die Abhandlung des Krankenhaus-Psychologen über das Leben als Kokosnuß gar nur studiertes Gesülze fern jeden Realitätsbezuges? Ganz ohne Frage.

Gut, zugegeben: Das von US-Kritikerpapst Roger Ebert „schamlos“ gescholtene Ende mag man schließlich wirklich einer Diskussion nötig befinden. Aber wer hat je definiert, daß so etwas nun per se schlecht sein muß?

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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