Originaltitel: UNE FILLE FACILE

F 2019, 92 min
FSK 16
Verleih: Wild Bunch/Alamode

Genre: Drama, Erotik

Darsteller: Mina Farid, Zahia Dehar, Benoît Magimel

Regie: Rebecca Zlotowski

Kinostart: 12.09.19

7 Bewertungen

Ein leichtes Mädchen

Von Verführung und Selbstbestimmung

Das Leben kann so entspannt sein. Gerade jetzt, nach bestandener Prüfung, an den ersten Ferientagen, wenn Träume so richtig Platz bekommen. Was der Schule folgen wird, ist der 16jährigen Naïma im Moment nämlich nicht so klar. Aber dieses Rumspinnen und die Flucht aus recht einfachen Verhältnissen machen sich hier in Cannes an der Côte d’Azur noch immer ganz gut. Dafür steht auch die Freundschaft zu Dodo, dem süßen schwulen Freund Naïmas, ein an sich unverwüstlich scheinender Bund, der einer ernsten Prüfung unterzogen wird, als Naïma sich im Wesen und im Ausprobieren ändert, was vor allem damit zu tun hat, das ihre etwas ältere Cousine Sofia aufschlägt.

Rein optisch ist die Blondine das komplette Gegenstück zu Naïma, altbacken formuliert würde man von satter Weiblichkeit schreiben, genauer hingeschaut, hat der Chirurg trotz Sofias noch jungen Alters ganze Arbeit geleistet. Von der Sonnenseite des Lebens möchte auch sie so viel wie möglich abhaben und hat darüber ihre eigene, körperbezogene Strategie entwickelt. Sofia weiß genau, was betuchte Männer im besten Alter mögen, sie nutzt deren Hang zur Trophäenjagd und genießt dabei Vorteile und das Ausleben eigener Lüste. Es ist gewiß auch Schutzschild, wenn die aufreizende junge Frau meint, sie suche keine Liebe, sie wolle Abenteuer, und wenn man dann sieht, wie an sich erwachsene Männer vor Geilheit zu Idioten werden, sich hinter all ihrem Geld und ihren Yachten verschanzen und mit dieser aufgesetzten Berufsjugendlichkeit zu Volldeppen machen, dann versteht man Sofias Entscheidung doch ganz gut.

Hätte ein Mann EIN LEICHTES MÄDCHEN gedreht, wären all jene Moralapostel aus ihren Grüften gestiegen, die vorschnell von Verkommenheit wettern, dabei Lebensrealitäten und vielleicht irritierende, aber doch sehr persönliche Entscheidungen negieren. Rebecca Zlotowski erzählt mutig und in aller gebotenen Offenheit von Verführung und Selbstbestimmung, von zerbrechlichen Freundschaften und von der Arroganz der Reichen. Sofia ist nicht dumm, sie definiert eigene Werte, und wenn man hier des Materialismus’ und der Markenfixiertheit unserer Zeit gewahr wird, dann fragt man sich zwar auch, ob man das verstehen muß, vielmehr aber rührt diese Verlorenheit junger Menschen ungemein an. Es unterliegt dabei Zlotowskis intelligenter Spielführung, wie glaubwürdig sich eine gewisse Leichtigkeit in all diesen lichtstarken, azurblauen Ozon-Bildern mit der komplizierten Suche nach dem berühmten Halt im Leben verbinden läßt.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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