Originaltitel: UN TANGO MÁS

D/Argentinien 2015, 84 min
FSK 0
Verleih: Alpenrepublik

Genre: Dokumentation, Musik, Biographie

Regie: German Kral

Kinostart: 07.04.16

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Ein letzter Tango

Chicas & Muchachos

Vielleicht sind Tangotänzer aus dem „Fußvolk“, auch dem deutschen, die letzten treuen Seelen dieser Welt. Nicht nur, was die sinnliche Linie zwischen Fuß, Bauch und Kopf anbetrifft. Vor allem wegen Kino. Immer dann, wenn sich der Vorhang für einen wie auch immer gearteten Tanzfilm öffnet, sind sie da. Gehen fremd. Kommen in seltsamen Grüppchen, und es sind dieselben, die ansonsten zum Teil unmöglich sterile Orte fürs Ausleben ihrer Tanzlust belegen. Weil es eben nicht nur schön-schummrige Säle mit edlem Teakholz-Interieur sein können. Weil auserwählte Frauen und Männer im Tango innig mit dem Partner verschmelzen, manchmal kämpfen, obwohl das selten gut geht. EIN LETZTER TANGO ist schlichtweg ihr Leckerli dieser Tage. Das haben sie sich verdient!

Regisseur German Kral, 1968 in Buenos Aires geboren, hat die argentinische Heimat auch nach seinem Umzug Richtung Deutschland nicht losgelassen. Er drehte fleißig Dokumentarfilme über Chicas & Muchachos, mit DER LETZTE APPLAUS vor sieben Jahren schon einmal einen über die Tango-Gilde. Jetzt geht er mit seinem künstlerischen Konzept einige elegante Schritte weiter. EIN LETZTER TANGO wirft sich von der ersten bis zur letzten Einstellung mit Vehemenz der großen Leinwand entgegen und damit dem Tango-affinen Betrachter an den Hals. Könnte gut sein, nur ihm. Denn ohne ein gehöriges Maß Sinn, Auge und Ohr fürs Genre wird diese Unablässigkeit aus Bandoneon und Beinarbeit schwer zu schaffen sein.

Es ist eine süffig komponierte und montierte Tango-Sinfonie. Sie soll dennoch kein Tanzfilm sein, sagt der Regisseur, ein Liebesfilm vielmehr. Und wird zur Hommage an Argentiniens berühmtestes Tango-Paar – Maria Nieves und Juan Carlos Copes, sie (wahrscheinlich) 81, er 84 Jahre alt, Legenden, Koryphäen, Liebende mit einem „Ex“ davor, zwei Dramatiker besonders auf der großen Bühne des Lebens. Wo ein nüchtern veranlagter Regisseur in Interviews unerbittlich nachhaken würde, läßt Kral die respekt-einflößende alte Dame Nieves in Ruhe. Kollege Copes hat eh zu wenig Lust auf offene Begegnungen jeglicher Art. Seit 1997 ist „das Tuch“, wie es heißt, zwischen ihm und Maria zerschnitten.

EIN LETZTER TANGO will sie noch einmal zusammenbringen. Da Film auch tricksen kann, gelingt es. Als eher passives Porträt, Dokument und Archivplünderung sowie mit einer eigenen, von jungen Tänzern umgesetzten Geschichte.

[ Andreas Körner ]

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