Originaltitel: ÔTEZ-MOI D’UN DOUTE

F 2016, 100 min
Verleih: Arsenal

Genre: Drama

Darsteller: François Damiens, Cécile De France, Alice de Lencquesaing, André Wilms

Regie: Carine Tardieu

Kinostart: 21.12.17

Eine bretonische Liebe

… und grüßen Sie Ihre Väter!

Belauschen wir das, zugegeben fiktive, Gespräch zwischen einem Produzenten und einer Regisseurin. Um selbst im Mutmaßlichen die Korrektheit zu wahren, könnten es natürlich auch eine Produzentin und ein Regisseur sein. Regisseurin: „Ich habe da was: Alleinstehender Vater und seine hochschwangere, noch bei ihm lebende Tochter erfahren bei einem Routinetest, daß kein Grund zur Sorge bestünde. Eine Familienkrankheit väterlicherseits könne sich gar nicht aufs Baby übertragen, weil der Vater des Vaters gar nicht der Vater ist. Nach dem Schock folgen die Suche, das Finden, das Verlieben des Sohnes in die Tochter des echten Vaters, wobei sich herausstellt, daß …“ Produzent: „Stop, meine Liebe! Das geht gar nicht! Das hatten wir schon, warte, ich seh’ nach, 234mal.“ Regisseurin: „Aber wir sind doch in Frankreich! Und wenn ich nun noch hineinschreibe, daß die schwangere Tochter den Namen des Kindsvaters …“ Produzent: „Au revoir, meine Liebe!“

In der Realität durfte Carine Tardieu ÔTEZ-MOI D’UN DOUTE dann doch noch drehen. Der Titel ist gleich Programm: „Nimm’ mir einen Zweifel.“ Im Deutschen mal wieder grob ins Einfältige behauen, wird aus dieser gefühlvollen Komödie das nächste grundgütige französische Leinwandstück, dem man noch jedes konstruierte Brett abnimmt. Dem man herzlich gern zuschaut und sogar bis zum Ende, obwohl man kaum überrascht wird – am wenigsten von sich selbst. Weil man den behutsamen Ton mag, das federleichte Agieren von Schauspielerinnen wie Cécile De France und Alice de Lencquesaing und Schauspielern wie François Damiens und André Willms. Weil man am Happy End zum Jahresend’ wirklich mal happy sein will. Kurzum, das gute Wort mit F genießen ...

Erwan, der an bretonischen Küsten Weltkriegsmunition entschärft, war keinesfalls darauf gefaßt, daß Bastien nicht sein Vater ist. Das Schweigen der Männer hatte über Jahrzehnte ganze Arbeit geleistet. Aus den Wolken gefallen und dennoch gelassen genug, schreitet Erwan zur Tat, beauftragt eine herrlich schnoddrige Privatdetektivin, die ihrerseits ganze Arbeit leistet und nach kurzer Zeit glaubt, ihm den echten Erzeuger zu präsentieren: Joseph, einen in Würde ergrauten Senior, der keine 20 Kilometer entfernt von Erwan wohnt und seinen Hund Pinochet nennt. Weil, er ist ein Bastard.

„Grüßen Sie Ihre Väter“, sagt die Detektivin spitz, als sie die Gefahr erkennt, von Erwan als Therapeutin mißbraucht zu werden. Jetzt muß er allein weiter, nimmt Kontakt auf, zeigt Joseph die nötigen Fotos, erzählt die richtigen Anekdoten und trifft auch die schöne Anne wieder, die mit ihm Tage zuvor schon einen Wildunfall teilte. Einfach allerliebst, wie er sie „anmacht“, indem er sie auf einen Rest Petersilie zwischen ihren Zähnen hinweist. Jeder hätte es gesehen, aber niemand hätte gewagt, es ihr zu sagen. Später wird er noch ein aufgeblasenes Kondom als Simulation einer Mine im Sand verstecken. Richtig „Peng!“ macht es aber erst, als Erwan erfahren muß, daß Anne zu Joseph gehört. Und für uns gehört es sich, an dieser Stelle beschreibende Vertiefungen zu unterlassen.

EINE BRETONISCHE LIEBE wird nicht peinlich, weil Carine Tardieu souverän mit Witz und Ernst des Lebens spielt, und zwar eines Lebens so, wie es sein könnte und nicht immer ist. Das atmet durch die Alten viel Weisheit, durch die Jungen ein paar Fragen und durch die Menschen dazwischen dieses vage Ja zur Entscheidung, sich doch noch mal zu trauen.

[ Andreas Körner ]

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