D 2011, 96 min
Verleih: Universum

Genre: Klamotte, Erotik

Darsteller: Gisela Schneeberger, Bettina Mittendorfer, Rosalie Thomass

Stab:
Regie: Markus Goller
Drehbuch: Andrea Sixt

Kinostart: 12.01.12

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Eine ganz heiße Nummer

Sorry, falsch verbunden!

Die Wirtschaftskrise hat ein kleines bayerisches Dorf kalt erwischt: Seit Schließung der Glashütte ist ökonomisch nichts mehr los, auch im Laden von Waltraud, Maria und Lena dämmern die Lebensmittel entschlossen ihrem Verfallsdatum entgegen; man fährt eben lieber zum unweit gelegenen Aldi. Es riecht nach Pleite, der Kredit läuft bald ab. Wie Ottonormalbürgerin sich da artikuliert, weiß Roman- und Drehbuchautorin Andrea Sixt nun offenbar ganz genau, weswegen ständig alles „scheiße“ oder „beschissen“ ist – was gut zur Toilette als zentralem Handlungsort paßt, weswegen unter anderem gleich zu Beginn Maria Gelegenheit bekommt, sich lautstark ihrer fiesen Verstopfung hinzugeben.

Allein, es soll weiterhin viel lustiger kommen. Namentlich in Form eines schmutzigen Anrufs, welcher die arme Maria erst verstört, dann jedoch auf geniale Ideen bringt: Telefonsex! Gedacht, getan. Verbale Anlaufschwierigkeiten („Was sagt man denn da?“) beseitigen ein Besuch im Sexshop plus – Überraschung – folgender Polizeikontrolle inklusive Eigeninitiative entwickelndem Vibrator sowie das Studium von Dominique Aurys „Geschichte der O.“ Derart gerüstet, findet jede Dame ihre Nische: Waltraud gibt die Domina, Maria ist für Kuschelerotik zuständig, und Lena macht auf … nun ja, blond eben. Angesichts beim Orgasmus krähender Anrufer scheint solche Vielfalt auch irgendwie bitter nötig.

So volkstümelt das Geschichtchen voran, stets schön am Rand der Banalität und derart verklemmt, wie es die Nachspann-Rollenbeschreibung „Verkäufer im Pornoladen“ schon impliziert, umhüllt von Plattitüden, Strand-Schmöker-Niveau oder schablonenhaften Nebenfiguren (knackiger Bauer, proletenhafter Freund, bigotter Pfarrer) und niemals Kinoqualitäten erreichend. Was der Kameramann wohl erkannte und entsprechend biedere TV-Kost abliefert, von den Dialogen fern aller Hintergründigkeit mal vollkommen zu schweigen.

Fehlt indes trotzdem ein Konflikt, und er nimmt Gestalt im Körper der garstigen Bürgermeistersgattin an, welche dem erotischen Treiben auf die Schliche kommt und darob Not Amused ist. Unter normalen Umständen kaum erwähnenswert; hier aber natürlich ein Problem, weil der Film glaubhaft versichert, daß man sich in Bayern heutzutage immer noch als wütender Mob brennende Fackeln schwenkend vor dem Haus unerwünschter Personen zusammenrottet. Ja, die gute alte Zeit!

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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