Originaltitel: KRAFTIDIOTEN

Norwegen/S/DK 2014, 115 min
FSK 16
Verleih: Neue Visionen

Genre: Komödie, Krimi, Killer

Darsteller: Stellan Skarsgård, Bruno Ganz, Pål Sverre Valheim Hagen, Hildegunn Riise, Peter Andersson

Regie: Hans Petter Moland

Kinostart: 20.11.14

1 Bewertung

Einer nach dem anderen

Weiß, rot, schwarz – Skarsgård als wütendes Schneewittchen

Schnee. Was für ein doppeldeutiges Wort. Einerseits handelt es sich um, wie das Presseheft treffend beschreibt, „Niederschlag in Form von festen Eiskristallen.“ Ihn räumt Nils tagtäglich mit seinem Männerspielzeug, einer Super-Giganten-Fräse, aus dem Weg und erfährt dafür sogar urkundliche Ehrung, was den wortkargen Zeitgenossen recht verstört. Andererseits, um wieder das eigentliche Thema aufzugreifen, kann man Kokain so nennen. Jenes wird Nils’ Sohn zum Verhängnis, der angeblich an einer Überdosis starb, faktisch war’s Mord. Dahinter steckt zwielichtiges Tun und wiederum dahinter „der Graf“, pferdeschwanztragender Bio-Veganer, ergo per se verdächtig. Rachelüstern pirscht sich Nils jetzt an diesen Oberschurken heran, was erfordert, unterwegs diverse Informanten zu beseitigen – einen nach dem anderen.

Eine beliebte EIN MANN SIEHT ROT-Ausgangssituation, welche Stellan Skarsgård alle nötigen abgesägten Flinten in die Hände spielt, würdig Charles Bronsons emotionsunterdrückt-stoische Nachfolge anzutreten, allerdings brutal komödiantisch aufgeheizt. Wobei die Situationskomik sich nicht allein auf den farblich überaus reizvollen Kontrast „Schneeweiß versus Blutrot“ verläßt, obgleich dieser natürlich für die schwärzesten Momente sorgt, sondern ebenso oft ruinöse Zwischenmenschlichkeiten ins Fadenkreuz rückt. Beispielsweise, daß besagter Graf zwar die Selbstverständlichkeit des Tötens geradezu zelebriert, insgeheim aber dennoch ein Waschlappen und chancenlos gegen seine megärenartige Ex ist. Zumindest, bis sich diese Xanthippe durchschlagende Argumente mitten ins Gesicht einfängt; Moral schreibt Moland eben klein.

Und türmt konsequent wahre Leichenberge auf, hübsch inklusive eingeblendeter Todesanzeigen, der Zuschauer will ja auf dem Laufenden bleiben, wen es grade erwischt. Unübersichtlich wird’s indes, wenn ein wilder Handlungs-Hakenschlag zum Bandenkrieg unter Leitung des „Papa“ führt, was die sowieso lieber auf Tarantino-Art philosophisch über das Wohlfahrtssystem substituierende Bananen sinnende Kleinstadt-Polizei vor echte Probleme stellt. Moland, bereits mit EIN MANN VON WELT konventionsloser Chirurg am offenen Kinoherzen, lacht sich derweil einen schmutzigen Eiszapfen und illustriert Rachephantasien, denen er laut eigener Aussage bereits als Kind nachhing. Möchte man wissen, was da demnächst noch kommt? Definitiv.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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