D 2013, 96 min
FSK 6
Verleih: NFP

Genre: Komödie, Persiflage, Literaturverfilmung

Darsteller: Idil Üner, Adnan Maral, Şiir Eloğlu

Regie: Buket Alakus

Kinostart: 12.06.14

4 Bewertungen

Einmal Hans mit scharfer Soße

... für die schöne Querulantin

Hatice ist gutaussehend, 34 und eben mal wieder beziehungslos. Was sich wahrscheinlich kurz- bis mittelfristig kaum ändern wird, denn Hatice zählt zu jenen Singles, deren Anspruchshaltung man realitätsbereinigt nennen darf: Der Zukünftige muß attraktiv sein, dazu nett, unbedingt Deutscher (wegen der Zuverlässigkeit, klar), aber mit türkischem Temperament. Und ganz logisch sieht er galant über alle Macken hinweg. Bislang schrammte jeder Bewerber haarscharf an diesen Wi-Wa-Wunderland-Anforderungen vorbei, doch jetzt tickt richtig die Uhr, denn nach alter Sitte muß Hatice vor ihrer jüngeren Schwester Fatma heiraten. Die ist zwar bereits ordnungsgemäß verlobt, allerdings wächst der Babybauch täglich ...

Da trifft nun abendländisches Regelwerk auf teutonische Spießigkeit, und der Frage, was sich eigentlich gestriger zeigt, begegnet das primär anfangs tatsächlich umwerfend witzige Drehbuch durch treffende Klischeespiele. Wobei sogar Standardsituationen noch einen Dreh bekommen: Präsentiert zum Beispiel Hatice ihren schwulen deutschen Kumpel als Auserwählten, wirkt das nicht sagenhaft originell. Wenn indes Fatma beim prüfenden elterlichen Kennenlerngespräch pantomimisch korrekte Antworten liefert, unser vollkommen verunsicherter Kandidat dennoch ausgerechnet an einer (banalen) Frage aus dem Einbürgerungstest scheitert, ist das genauso sarkastisch besetzt wie Papas angepaßte Bratwurst-Grill-Entschlossenheit im Regen Salzgitters.

Sich sukzessive einschleichende ernstere Töne mindern niemals den Spaß an einer gelungenen Komödie, noch dazu aus hiesigen Gefilden, in deren Zentrum universelle Themen wie Abnabelung, Selbstbestimmung oder ausbaufähige zwischenmenschliche Kompromißbereitschaft stehen, verhandelt am Fall einer herrlich unperfekten Familie. Nur nominell angeführt vom Vater, welcher über die Jahre jeden Anspruch an einen Schwiegersohn in spe runterschraubte und seinem Mädchen liebevoll den Ladenhüter-Status anhängt. Nein, auch hier hat Mama definitiv die höchst sympathischen Hosen an – egal, ob sie für eine Kompanie zu kochen scheint, bei Tisch brüllkomisch den verbalen Startschuß zum Verzehr abfeuert („Jetzt essen!“), sich gegen den Gatten rebellierend eine entspannte Zigarettenpause gönnt oder Hatice mit wenigen Worten verdeutlicht, wie hakenreich der Lebenshase läuft: „Hinfallen erlaubt – Liegenbleiben verboten!“

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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