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El Mar

Frostig-fiebriges Kino aus Spanien

Das spanische Kino jüngerer Zeit besticht vor allem durch seine unbequem-komplexen, poetisch-pathetischen Schicksalsgeschichten, die in einem teils sehr rauhen, blutig-rabiaten und zugleich äußerst sensiblen Tonfall erzählt werden. Viel zu selten sind diese ergreifenden und ratlos machenden filmischen Opern in deutschen Kinos zu erleben. Glücklicherweise ist das bei EL MAR nicht der Fall.

Zu Beginn des Spanischen Bürgerkrieges werden die halbwüchsigen Freunde Francesca, Ramallo und Manuel Zeugen einer der fast alltäglichen Exekutionen von Widerständlern und müssen erleben, wie der Sohn eines der Opfer den Jungen des Täters in einem explosiven und ohnmächtigen Akt der Gewalt tötet.

Jahre später, mittlerweile junge Männer, treffen sich der hitzköpfige Ramallo und der sensible Manuel in einem Sanatorium wieder. Noch voll jugendlicher Kraft verdrängen sie, daß dies bereits der Herbst ihres Lebens ist. Beide sind an Tuberkulose erkrankt. Hier begegnen sie auch Francesca wieder, mittlerweile zur Nonne geworden. Ramallo, der Aufreißer vom Dienst, kämpft gegen seine Stricherabhängigkeit von einem generösen Patriarchen. Manuel versteckt sich hinter fanatischem Religionswahn und geht dabei fast zu Grunde, da er mit ungebrochener Leidenschaft Ramallo liebt. Frostige Spannung und hysterische Ausweglosigkeit - die Katastrophe ist unausweichlich...

Eine freizügig-fiebrige Kamera verzaubert den bedrückenden EL MAR zum Trauergemälde, zur Bilderflut, die einem den Atem stocken läßt und fokussiert nicht zuletzt brillant natürlich agierende Schauspieler, die diesen ungeschliffenen Diamanten besonders machen.

Immer an der Grenze zum theatralischen Kitsch, ewig der Versuchung erlegen, die Apokalypse zu bebildern, findet Regisseur Agusti Villaronga zur erzählerischen Stille zurück, die zwar nicht immer mit den teils sehr rabiaten Gewaltorgien korrespondiert, aber nachhaltig berührt.

Originaltitel: EL MAR

Spanien 107 min
Verleih: Salzgeber

Genre: Drama, Erwachsenwerden, Schwul-Lesbisch

Darsteller: Bruno Bergonzini, Roger Casamajor, Angela Molina

Regie: Agusti Villaronga

Kinostart: 18.10.01

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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