Originaltitel: EL MAR LA MAR

USA 2017, 94 min
Verleih: Arsenal Institut

Genre: Dokumentation, Schicksal

Regie: Joshua Bonetta, J.P. Sniedecki

Kinostart: 07.06.18

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El mar la mar

Vom Durchqueren der Wüste

Die Grenze zwischen Mexiko und den USA ist – obwohl es Grenzflüsse und Zäune gibt und bald vielleicht auch die berüchtigte Mauer – keine Linie, sondern eine Landschaft, eine Naturgewalt. Die Wüste ist insofern tatsächlich mit dem Mittelmeer, jener unberechenbaren Grenze zwischen Afrika und Europa, vergleichbar. Viele, die dazu gezwungen sind, sie auf eigene Faust zu durchqueren, bezahlen das mit ihrem Leben.

Der künstlerische Dokumentarfilm erzählt von diesem Raum, der nur demjenigen Orientierung bietet und sich in seiner Schönheit offenbart, der viel Zeit mit ihr verbracht hat, für denjenigen auf der Flucht aber ein feindlicher und oft tödlicher Raum ist. Diese Menschen, um die es eigentlich geht, spart der Film konsequent aus. Wir erfahren nichts darüber, woher sie kommen, und warum sie ihre Hoffnung darauf setzen, in die USA zu gelangen. Wir sehen diese Menschen nicht einmal, lediglich ihre Spuren, die sie beim Durchqueren der Wüste hinterlassen haben, das, was die Natur von ihnen noch preisgibt. Schuhe, Stoffe, Halsketten mit Kreuz-Anhängern, Wasserkanister, die in sich zusammenfallen, sobald man sie berührt. Auch gefüllte Kanister sind Teil der Landschaft, baumeln an Stricken von einem Schatten spendenden Baum, von Helfern aufgehängt in der Hoffnung, daß sie zum richtigen Zeitpunkt gefunden werden. Hinterlassen haben die Menschen auch Geschichten von Begegnungen, erzählt von anderen Menschen, die in der Wüste zu Hause sind und die Bergkämme und unterschiedlichen Farbtöne am Horizont unterscheiden können. Sie setzt der Film sogar ins Bild. Doch wenn gesprochen wird, sind Bilder und Töne entkoppelt, als hätten sie sich unterwegs verloren.

Die 16mm-Kamera fängt Bilder von grobkörniger Schönheit ein, bleibt oft lange an Ort und Stelle und läßt uns die minimale Bewegung einer Wolke verfolgen. Von den großen Panoramabildern entführt uns die Kamera wiederum in den Mikrokosmos, ins Gestrüpp oder zu den Ameisen, die um einen Erdriß wimmeln. Immer wieder gleiten die Bilder auch ins Abstrakte, verlieren sozusagen das Bewußtsein.

EL MAR LA MAR ist einer jener wenigen Dokumentarfilme, die uns nicht mit Informationen füttern, die wir auch in der Zeitung lesen könnten, sondern eine visuelle Erfahrung, Raum für Phantasie schaffen und gerade dadurch eine Idee davon vermitteln, was es heißt, ein Mensch zu sein.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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