Originaltitel: END OF WATCH

USA 2012, 109 min
FSK 16
Verleih: Tobis

Genre: Cop, Thriller

Darsteller: Jake Gyllenhaal, Michael Pena, America Ferrera

Regie: David Ayer

Kinostart: 20.12.12

1 Bewertung

End Of Watch

Cop-Thriller der authentischen Art

Die Streifenpolizisten Brian und Mike sind nicht nur die Guten. In ihrem nicht ganz von Hybris freien Selbstverständnis definieren sie sogar die Grenze zwischen Gut und Böse. Verorten sich als Posten zwischen diesen Polen, die sich in Brian und Mikes Dienstbereich immer wieder ineinanderfügen. Kollidierend als heißkalte Gewitterfronten, die sich schlagartig entladen in Gewalt. In South Central L.A. ist das Alltag.

END OF WATCH ist ein Cop- und Großstadt-Thriller, der sich versenkt im Klima einer gewaltgetränkten Urbanität, dabei an diesen beiden Kerlen, diesen Polizisten, klebend, sie porträtierend als seltsame Mischwesen: Kindisch sind die in ihrem Selbstverständnis, in ihren Attitüden und Sprüchen. Gleichzeitig professionell in ihrer Arbeit, souverän in ihrem Auftreten. Zwei Cops, die ihren Job lieben, ihn ernst nehmen. Geprägt sind vom Kodex. Und fest verfügt in Freundschaft, die eine auf Leben und Tod ist.

Drehbuchautor und Regisseur David Ayer ist ein Spezialist für derartige Sujets. Seine bisher zwei eigenen Filme, HARSH TIMES und STREET KINGS (letzterer nach einem Drehbuch James Ellroys), sind ruppig-schrundige, urbane Thriller. Gut wurzelnd im Realismus, geprägt von einschlägigen Klassikern der 70er und 80er wie FRENCH CONNECTION oder THE BRONX. Dieser Geist geht jetzt auch in END OF WATCH (frei übersetzt „Dienstende“) um. Und das bis zur bitteren, blutigen Endkonsequenz: Einmal zu viel nämlich werden Brian und Mike eine Tür eintreten für eine Hausdurchsuchung. Einmal zu viel dem sich ausbreitenden Drogenkartell in die Suppe spucken. Einmal zu viel sich nicht an die Warnungen der älteren Cops halten. Zurücknehmen, den Kopf einziehen, leise treten? Dafür sind Brian und Mike keine Polizisten geworden.

Mit so einiger Rigorosität zieht Ayer diese Geschichte durch. Daß diese sich passagenweise in einen semi-dokumentarischen Stil samt Handkameragewackel kleidet, mag aufgesetzt wirken, auch wenn es sich dramaturgisch legitimiert. Eine formale Spielerei bleibt es dennoch, eine Authentizitäts-Behauptung, die dieser Film nicht nötig hat – weil er authentisch ist. In seiner erzählerischen Direktheit, seiner Konsequenz. In der Weigerung, Brian und Mike heroisch zu verklären, sie aber zugleich mit Empathie und auch Sympathie in ihren Stärken und Unzulänglichkeiten zu porträtieren als zwei Männer, die in ihrem Beruf aufgehen. Und einen hohen Preis dafür zahlen.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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