Originaltitel: FLASKEPOST FRA P

DK/D 2016, 112 min
FSK 16
Verleih: NFP

Genre: Literaturverfilmung, Thriller

Darsteller: Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Jakob Oftebro, Pål Sverre Hagen

Regie: Hans Petter Moland

Kinostart: 09.06.16

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Erlösung

Flaschenpost für Mørck

Das ist ja mal ein Ding! Auf den offiziellen Werbematerialien für ERLÖSUNG findet sich folgende Zeile: „Der dritte Roman. Die größte Spannung. Der beste Film.“ Was war denn, im Rückblick betrachtet, mit den Vorgängern ERBARMEN und SCHÄNDUNG los? War mit denen vielleicht doch etwas faul, so wie an dieser Stelle im PLAYER sanft und sorgfältig beschrieben?

Genug der spitzen Bemerkungen! Der norwegische Regisseur Hans Petter Moland hat diesmal für seine dänischen Nachbarn übernommen. Aufgrund von Molands eigenwilliger Bild- und Tonsprache, unter Beweis gestellt zuletzt im göttlich-schwarzhumorigen EINER NACH DEM ANDEREN, darf man Qualitäten erwarten. Optisch werden sie jedenfalls schon mal eingelöst. ERLÖSUNG sieht aus! Leider wird die Tradition einiger entscheidend unlogischer Plot-Schlüsse fortgesetzt. Das verwundert!

Vizekriminalkommissar Carl Mørck freilich hat sich in der Anlage seiner kaputten Figur kaum verändert, wobei ihm Kollege Assad nunmehr fast zum Freund wird. Denn der leckgeschlagene Mørck gerät in Lebensbedrohlichkeiten, als er sich aus dem Keller des Sonderdezernats Q ins Land begibt, um den nächsten bis dato ungelösten Fall zu klären. Es geht um eine mysteriöse Flaschenpost, verschwundene Kinder, freikirchliche Jünger der gelebten Verdrängung und einen Missionar, der es mit der Nächstenliebe anders meint, als gemeinhin vorgesehen.

Die eigentlichen Fälle sind, wenn wir ehrlich sind, in den meisten Krimiserien von eher dezentraler Bedeutung. Die Ermittler als Typen werden wichtiger denn je. Da hat der depressive Schlurfer Mørck schon mal alle Trümpfe in der Hand. Weil Assad aber ein aufgeweckter und unerschütterlich treuer Mit- und manchmal Gegenspieler ist, steckt in diesem Duo eine spezielle chemische Formel. Jetzt wird sie besser ausgereizt als zuvor, wenngleich der Migrationshintergrund Assads dem Komödiantischen natürlich die meisten Punkte zuspielt. Wie wunderbar ist zum Beispiel Mørcks Antwort als „echter“ Däne auf eine genervte Bemerkung des „fremden“ Assad: „Mit dieser Haltung wirst Du nie in den Genuß eines Schweinebratens kommen!“

Nehmen wir die flotte Zunge vom Beginn des Textes nochmals auf: Was wird wohl auf den offiziellen Werbematerialien stehen, wenn die Teile vier bis sechs nach Büchern von Jussi Adler-Olsen ins Kino kommen, die mit „Verachtung“, „Erwartung“ und „Verheißung“ längst Namen haben?

[ Andreas Körner ]

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