Originaltitel: EUFORIA

I 2018, 110 min
FSK 12

Genre: Drama

Darsteller: Valerio Mastandrea, Riccardo Scamarcio, Isabella Ferrari

Regie: Valeria Golino

Kinostart: 05.03.20

Noch keine Bewertung

Euforia

Was am Ende übrigbleibt

Kennst Du das? Du erinnerst einen Film, vor Wochen oder gar Jahren gesehen, und Dir fällt genau diese spezielle Szene ein, abgespeichert auf der übervollen Festplatte Deiner Erfahrungen. Aus völlig irrationalen Gründen hat sie Dich berührt. Natürlich gibt es auch den ganz rationalen Erinnerungshorizont: War das nicht der Film mit den zwei Brüdern? Der eine ein Lebemann, immer noch gierig wie ein Kind, erfolgreich, sich die Männer pflückend, wie sie ihm vor seine elegant beschuhten Füße fallen? Der andere Bruder ein Eremit, offensichtlich gebrochen und schwer krank. Er wird bald sterben. Es geht um Familienbande.

Regisseurin Valeria Golino zoomt heran und fokussiert auf die beiden auf den ersten Blick so unterschiedlichen Männer, auch wenn sich um sie herum das römische Leben, eine besorgte Mutter und das vielgestaltige emotionale Karussell sozialer Beziehungen drehen. Es ist ihr nicht wichtig, en détail zu erzählen, was es zwischen den beiden auszufechten gilt, oder warum Matteo dem todkranken Ettore die Wahrheit über dessen Zustand vorenthält.

Vielmehr interessiert Golino die Essenz ihrer Verbindung. Kann Matteo nur im Rausch seinen Alltag bewältigen, hat sich Ettore einen schützenden Panzer der Verweigerung erbaut? Beide können die Untiefen der Liebe nicht aushalten, Nähe und Konflikte nicht ertragen. Sie entziehen sich der Konfrontation. Matteo stürzt sich ins exzessive Genießen, betäubt sich mit stimulierender Gesellschaft und anderen Drogen. Ettore hat sich, seine Familie und die Frau, die er liebt, aufgegeben.

Es ist faszinierend, was Golino in den Gesichtern dieser schönen, dann wieder einfach nur verlebten Männer offenbar werden läßt. Verletzlichkeit, Leere, Getriebensein, Egoismus und Sehnsucht spiegeln sich in ihnen, mit ganz unterschiedlichem Ausdruck. Zusammen erschaffen Valerio Mastandrea und Riccardo Scamarcio in ihrem Spiel die Alchemie einer komplexen Brüderlichkeit. Ohne tiefgründige Worte, ja, fast ganz ohne Worte.

Und der Moment für’s innere Archiv: An der Ampel halten zwei Autos, voll besetzt. Die Euphorie einer lauen unbeschwerten Nacht. Scheiben heruntergekurbelt. Blicke. Ein Angebot. Dann treffen sich zwei Fingerspitzen. Grün. Die Autos setzen sich in Bewegung, ganz behutsam. Und die Verbindung wird gehalten. Bis zur nächsten Kreuzung.

[ Susanne Kim ] Susanne mag Filme, in denen nicht viel passiert, man aber trotzdem durch Beobachten alles erfahren kann. Zum Beispiel GREY GARDENS von den Maysles-Brüdern: Mutter Edith und Tochter Edie leben in einem zugewucherten Haus auf Long Island, dazu unzählige Katzen und ein jugendlicher Hausfreund. Edies exzentrische Performances werden Susanne als Bild immer im Kopf bleiben ...

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