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Fallen (2006)

Fünf Frauen drehen die Zeit zurück

Ein trauriges Ereignis führt die ehemaligen Klassenkameradinnen Nina, Brigitte, Nicole, Alex und Carmen wieder zusammen: Die Beerdigung ihres ehemaligen Klassenlehrers ist der Anlaß, zu dem sich der bunte Frauentrupp in der österreichischen Kleinstadt einfindet, welche die Fünf vor Jahren ihr zu Hause nannten. Die Trauerfeier wird zum Klassentreffen in Schwarz, und nach der Zeremonie begibt sich die alte Clique an die Orte, die einst ihre Welt darstellten. Von der Schule geht es zur Festwiese, wo gerade eine Hochzeitsgesellschaft ausgelassen feiert. Mit dem steigenden Alkoholpegel der Freundinnen gestaltet sich die Konfrontation mit der gemeinsamen Vergangenheit stetig heftiger. Schon bald brechen alte Wunden auf, alte Lieben zünden wieder, und die Nacht wird immer mehr zur emotionalen Zeitreise.

Regisseurin Barbara Albert zeigte schon mit ihrem vielbeachteten Spielfilmdebüt NORD-RAND, daß sie es versteht, starke Frauencharaktere einfühlsam zu erzählen. FALLEN besticht durch ein gutes Auge und aufmerksames Gehör für die alltägliche und doch besondere Begebenheit einer Heimkehr. Auch wenn man nie auf dem österreichischen Lande unterwegs war, das Quatschen, Streiten und Sichfallenlassen dieser Frauen geht nahe, reißt mit und unterhält obendrein noch vorzüglich. Angesichts von fünf tragenden Charakteren ist es außerdem beachtlich, daß Albert nur selten einen von diesen vernachlässigt. Daß jede der weiblichen Hauptfiguren so (be)greifbar geworden ist, ist selbstverständlich zu einem gehörigen Teil den sehr guten Darstellerinnen zu verdanken, allen voran NORDRAND-Star Nina Proll und Birgit Minichmaier.

Auch mit ihrer Wahl filmischer Erzählmittel gelingt Albert die Verknüpfung von Banalem und Poetischem. Kurze Flashbacks in die romantisch verklärte Jugendzeit und Schnappschüsse zu-künftiger Ereignisse brechen immer wieder die Gegenwartsebene des Films auf und untersteichen jenen bittersüßen Zustand zwischen zäher Wirklichkeit und alten Träumen, den die Protagonistinnen am Ort ihrer Jugend erfahren. Die Auseinandersetzung mit dem Damals hat beides, etwas Schmerz- und Hoffnungsvolles, und wenn ein Film dies einzufangen vermag, dann kann man ihn guten Gewissens empfehlen. Das sei hiermit getan.

Österreich 2006, 88 min
Verleih: Novapool

Genre: Drama

Darsteller: Nina Proll, Birgit Minichmaier, Gabriela Hegedüs, Ursula Strauss, Kathrin Resetarits

Stab:
Regie: Barbara Albert
Drehbuch: Barbara Albert

Kinostart: 14.02.08

[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...

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