Originaltitel: BABI LÉTO

Tschechien 2001, 97 min
Verleih: MFA

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Vlastimil Brodsky, Stella Zazvorkova

Regie: Vladimír Michálek

Kinostart: 05.02.04

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Frühling im Herbst

Trübes Matschwetter statt Frühblüher

Warum erfand der Mensch das Kino, warum drehen Heerscharen von Kreativen Jahr um Jahr Filme, um sie vor Publikum abzuspielen? Fragt man sich genau das während einer Kinovorstellung, sollte man nahtlos zur nächsten Frage übergehen: muß man sich all die Wunderwerke ansehen? Manchmal sind es nur eine Geste, eine Szene, ein Funke, die einen Film ausmachen. Und manchmal ist es ein letzter Auftritt.

Vlastimil Brodsky, tapferer Mittelpunkt des sonst mühseligen FRÜHLING IM HERBST, ist einer jener Darsteller, die man irgendwo schon einmal gesehen hat. Und sei es als Kind in einer der großartigen tschechischen Vorabendserien. Für das Kino spielte er JAKOB, DER LÜGNER und nun eben seine letzte Vorstellung im Drama-Komödien-Spagat über einen alternden Peter Pan, einen Mann, der nicht alt werden will.

Rentner Fanda stellt mit seinem Kumpel Eda Prag und die Umgebung auf den Kopf, gibt sich mal als adeliger Opernstar aus, mal als Fernsehjournalist. Die Pension ist spärlich, und Fandas Ehefrau Emílie sieht bei jedem der Streiche mehr des Ersparten flöten gehen. Geld ist für die schelmischen Greise nicht einfach aufzutreiben, flüchtige Küsse junger Mädchen schon eher. Wohin sollen die Flausen aber führen? Für Emílie bedeuten sie schlußendlich den Grund zur Scheidung, und so hat Fanda die Wahl zwischen einem lausbubenhaften Lebensabend ohne Gattin oder einem ernsten Senioreneheleben - für ihn eine Kapitulation.

Das Lebenslicht flackert, die Freunde sind tot. Man stellt nur noch die Trennlinie zwischen Erben und Erbschaft dar, ist von der Gesellschaft abgeschrieben. FRÜHLING IM HERBST begibt sich auf die Suche nach dem Abenteuer im Alter, nach dem stetigen Neuanfang im Ende. Doch bei aller Liebe zu der simplen Idee verliert die Geschichte ihren Faden und Fokus. Dabei ist Vlastimil Brodsky der ideale ruhelose Münchhausen, bis zu den Ohren mit bunten Gedanken gefüllt. Doch plötzlich mutiert der Film zum Gerichtsdrama, das Gefühl wird totgeredet und statt uns zu berühren, erhebt Regisseur Michálek belehrend den Zeigefinger. Und schafft nur ein Lehrstück über konfuse Filme und gleichzeitig einen stillen Leinwandabschied.

Die Wettervorhersage: dieser Frühling wird trübe und unbefriedigend. Warten wir auf den Sommer.

[ Roman Klink ]

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