D 2015, 116 min
FSK 12
Verleih: Universal

Genre: Komödie

Darsteller: Sido, Fahri Yardim, Tedros Teclebrhan, Detlev Buck

Regie: Christian Alvart

Kinostart: 09.04.15

Noch keine Bewertung

Halbe Brüder

… und eine halbe Portion Kino

Die Drei begegnen sich zum ersten Mal beim Testamentsvollstrecker: Julian, der Ex-Kleinkriminelle, der auf dem Weg ins bürgerliche Glück ist. Mit Frau und Kindchen hin zum soliden Dasein. Etwas, worauf Addi pfeift. Denn Addi ist schwarz, deshalb Rapper und deshalb ein Großmaul im Dauerposen-Modus. Alles klar? Yo, Bitch! Weiter geht’s zur Nummer Drei: Yasin ist verklemmt, deshalb bebrillt und deshalb kultiviert. Und Türke. Womit der Trommelwirbel wirbeln kann: ein Türke, kühn gegens Türken-Klischee gebürstet. Und das im deutschen Kino. Yo! Respekt! Muß man echt mal sagen.

Julian, Addi, Yasin – unterschiedlicher geht´s also nicht. Und doch: Beim Notar erfahren die Drei, daß sie sind, was der Titel des Films schon andeutet – Halbbrüder. Dank gemeinsamer Mutter. Die keiner der Kerle je kennenlernte, weil Mami … nun, sagen wir es so, zu jener Generation gehörte, die der freien Liebe mit allerlei wechselnden Partnern huldigte. Eine Hippie-Braut also. Kürzlich gestorben und tatsächlich einiges mehr an Geld hinterlassend, als es Hippie-Bräute gemeinhin wohl tun. Woraufhin sich die drei Söhnchen, allen Aversionen zum Trotz, zusammenraffen, die Kohle von Mutti zu holen. Denn natürlich: Ganz so einfach ist das nicht mit dem Erbe. Sonst wäre der Film ja auch ruckzuck zu Ende. Nicht, daß das schlimm wäre.

Im Gegenteil. Dabei steckt in HALBE BRÜDER Potential. Auch witziges. Und vielleicht, wir spekulieren mal, hatte das Drehbuch ursprünglich davon auch einiges in petto. Die Grundkonstellation der Story läßt das ahnen, wie auch das Spielen mit den Figuren-Klischees. Und wie so oft, kann man an dieser Stelle jetzt trefflich fragen: Was hätten Franzosen oder Briten aus so einem Stoff gemacht? Man ahnt es.

Hierzulande jedenfalls sieht so ein Film dann humoristisch vorrangig grenzdebil und bezüglich Dramatik nach klebriger Kitsch-Pampe aus. Regisseur Christian Alvart, von dem man wahrlich schon Besseres sah, ist die Schuld nur bedingt zu geben. Wo von vornherein null Dialogwitz herrscht, kann man Dialoge auch nicht witzig inszenieren. Furz-Orgien helfen darüber so wenig hinweg, wie ein Gastauftritt von Roberto Blanco als Addis Vater. Ein bißchen Spaß muß sein? Ach, nö Du, laß’ mal ,Alter! Geradezu paßgenau allerdings, das muß man zugeben, fügt sich die Halbe-Brüder-Trias frohgemuter Laienspieler in dieses frohgemute Halbe-Portionen-Kino. Was dem Film dann immerhin so was wie Konsequenz verleiht.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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