D 2001, 90 min
Verleih: X Verleih

Genre: Drama, Liebe, Schicksal

Darsteller: Katrin Saß, Dominique Horwitz, Franziska Troegner

Stab:
Regie: Michael Klier
Drehbuch: Karin ström

Kinostart: 29.03.01

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Heidi M.

Von Schlußstrichen und Neuanfängen

Einen Schlußstrich müsse sie endlich ziehen, sagt Jacqui ihrer besten Freundin. So gut wie das klingt, meint sie es auch. Doch Heidi bringt das nicht weiter. Jetzt, da die neue Frau ihres Ex-Mannes unverkennbar ein Kind erwartet und Tochter Annabel für ein Jahr in Australien ist, muß ein neuer Anfang her. Daß den weder der aufdringliche Typ auf der Tanzfläche noch der nette Handelsvertreter im Hotel in der Hosentasche hat, ist auch ihr klar, denn sie ist nicht blöd, nicht naiv und nicht mehr jung. Schließlich lernt sie den Flugzeugelektriker Franz kennen, der verzweifelt den Kontakt zu seinem Sohn sucht. Stunden im Bett, Gespräche, Verstehen - diesmal scheint alles anders. Doch als Franz ihr auf einer gemeinsamen Reise die Verlobung anträgt, macht sie sich wütend auf den Weg nach Hause - wieder ein neuer Anfang?

Von Beginn an ist der Vorname dieser Frau indiskret ausgeplaudert, lädt ein zum Auf-die-Schulter-Klopfen und forscher Annäherung. Doch die Vertrautheit trügt, auch wenn Heidi ihren Berliner Spätverkauf mit Videoverleih fest im Griff hat und einer vergeßlichen Oma geduldig immer wieder denselben Streifen mit nach Hause gibt, auch wenn sie sich bequatschen läßt, Getränke auf Kredit herauszugeben. Die Kamera hält respektvollen Abstand, läßt der Hauptdarstellerin Katrin Saß die Wahl zwischen schützender Distanz und Nähe. Und diese schwierige Balance verleiht der Figur die entscheidenden Züge, sagt mehr aus über Enttäuschung, Scheidung und den Bruch der Wende, als ein voyeuristisches Draufhalten je enthüllen könnte.

Wohltuend und Kliers schnörkelloser Inszenierung angemessen, ist der Verzicht auf schlagkräftige Beweise einer ostdeutschen Identität aus der Requisite - das besorgen hier überzeugende Schauspieler wie Katrin Saß und die ebenfalls großartig besetzte Franziska Troegner. Kliers gemächliches Tempo verschafft den Figuren den nötigen Raum zum Leben, und der berühmte Satz zu viel in einigen Dialogen ist fast vergessen.

[ Sylvia Görke ]

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