Originaltitel: HER

USA 2013, 126 min
FSK 12
Verleih: Warner

Genre: Science Fiction, Liebe, Schräg

Darsteller: Joaquin Phoenix, Amy Adams, Rooney Mara, Olivia Wilde

Stab:
Regie: Spike Jonze
Drehbuch: Spike Jonze
Stimmen: Scarlett Johansson

Kinostart: 27.03.14

1 Bewertung

Her

Computerliebe auf die Spitze getrieben

Er schleppt diese überdimensionale Brille mit sich rum, trägt Karohemden, einen Schnauzer und nuschelt auch noch in selbigen, so daß man ständig „Wie bitte?!“ rufen möchte. Er trauert seiner Exfrau hinterher, trifft nachts im Voice Chat Damen wie „SexyKitten“ und hängt bei Computerspielen ab. Theodore vertritt das Klischee des Einsamen.

Was sich ändert, als er ein neues Betriebssystem installiert – da wir uns in der Zukunft befinden, ist jenes hyperintelligent, gibt Lebensratschläge, nennt sich Samantha (nach Lektüre eines Baby-Namensbuches, klar), spricht im Original mit Scarlett Johanssons Stimme. Und wie! Mal kindlich-naiv, dann verheißungsvoll erotisch. Geradezu logisch entbrennt Theodore in Liebe. Doch wird sie erwidert? Was denkt die Umwelt, wenn jemand ganz nebenbei erwähnt: „Meine Freundin ist ein Betriebssystem“? Und schließlich möchte man ja Sex haben!

Letzteres Problem löst Spike Jonze verblüffend gefühlvoll, als Gegenpol zur technisierten Welt um Theodore herum. Überhaupt mag die Grundidee schon mehrfach durchdeklinierte Science Fiction sein, doch der Film findet darin ein wild schlagendes Herz, interessiert sich wenig für Visionäres und Spinnertes, nutzt es nur, um fest auf dem Boden ganz realer Tatsachen zu bleiben. Da steht unter anderem Samanthas größter Wunsch, einen richtigen Körper zu besitzen, für die Entdeckung des eigenen Ichs, und ihre Frage nach der Echtheit dessen, was sie fühlt, dürfte so alt sein wie die zwischenmenschliche Beziehung.

Jonze seziert also das ewige Spiel des Miteinander, wie immer stilvoll und am Rande des geerdeten Phantastischen: Samantha mag Kinder, ja und? Ganz so schräg wie sonst fällt die Reise zwar nicht aus, was daran liegen könnte, daß der Regisseur hier auch das Drehbuch schrieb und eben auf Charlie Kaufmans Gedankenuniversum verzichtete. Trotzdem wurde ein typischer Jonze draus, und die Darsteller danken es ihm. Obwohl Johansson alle an die Wand spricht, findet Joaquin Phoenix in Theodore ungewohnt zurückhaltendes Spielfeld, während Amy Adams stark an Cameron Diaz in BEING JOHN MALKOVICH erinnert – ein mies frisiertes und ungeschminkt kaum zu erkennendes Häufchen Elend, welches man tröstend an die Brust drücken möchte.

Ohne Zweifel, Spike beeindruckt. Bis zum freudlosen Eventuell-Happy-End und dessen kitschfreier Zustandsbeschreibung: „I’m Yours And I’m Not Yours.“

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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