D 2016, 100 min
FSK 0
Verleih: Farbfilm

Genre: Dokumentation

Regie: Rüdiger Suchsland

Kinostart: 23.02.17

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Hitlers Hollywood

Indoktrinationen mit den Mitteln der Kunst

Der kleine Quex, Arbeiterkind und Hitlerjunge, sieht heroisch sterbend die Fahne wehen, der er beherzt folgte. Und folgt – bis in den Tod eben. Daß Tausendjährige Reich, eine jenseitige Angelegenheit, „beseelt“ vom Opferkult. Und das Kino – es hat auch ihm die Bilder gegeben, eine Ikonographie, ob derer man gelegentlich staunen oder erschrecken mag, wie wirksam sie, wenigstens in Teilen, immer noch ist.

HITLERS HOLLYWOOD nennt Rüdiger Suchsland seinen zweiten Filmessay, der dort weitermacht, wo der Vorläufer VON CALIGARI ZU HITLER (2014) aufhörte. Nach dem Blick auf die künstlerische Hochzeit des deutschen Kinos in der Weimarer Republik folgt jetzt der auf die dunkelsten deutschen Jahre (freilich nicht nur für das Kino), die mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten einsetzten.

Zur Fortsetzung der zeitlichen Chronologie gesellt sich die der inhaltlichen und formalen Ausrichtung. Das heißt, erneut werden ausschließlich Sequenzen aus zahllosen Streifen montiert und mit einem Text kommentiert, der – auch das ganz wie gehabt – den Tonfall des ambitionierten wie auch psychoanalytisch gestählten Filmwissenschaftsstudenten pflegt. Da schießt doch manches übers Ziel hinaus, was da Suchsland an Entdeckungen findet und Expertisen riskiert. Da will einer immer mal wieder was sehen, was die Bilder gar nicht zeigen.

Aber: Was zeigen die eigentlich? Oder anders: Was weiß das Kino, was wir nicht wissen? Es ist die schöne Frage, die schon VON CALIGARI ZU HITLER strukturiert hat, und der auch jetzt tatsächlich Sinn bei Filmen inne ist, ob derer man annehmen kann, daß ihnen vom Regime, unter dem sie entstanden, jegliches Mehr-Wissen ausgetrieben wurde im Namen der propagandistischen Ausrichtung. Aber das Kino – es funktioniert perfider, weniger kalkulierbar, eigensinniger. Eine Gefahr, die Goebbels übrigens sehr wohl bewußt war.

Und so hat es auch in HITLERS HOLLYWOOD seinen Reiz, diese Aufnahmen zu sehen, sie in Bezug zu setzen. Die zahllosen, offensichtlichen Erbärmlichkeiten (ethisch wie kinematographisch) und die weit perfideren Indoktrinationen mit den Mitteln der Kunst. Die luziden Freiräume, die die auch in der Unfreiheit eines Gewaltsystems behaupten kann. Die wenigen persönlichen Handschriften im Gleichschaltungs-Einerlei, die „das deutsche Kino im Zeitalter der Propaganda 1933–1945“ (Untertitel zu Suchslands Doku) eben auch bereithielt.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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