Originaltitel: ZEMESTAN

Iran 2005, 86 min
Verleih: Peripher

Genre: Drama

Darsteller: Mitra Hadjar, Ali Nicksolat, Hashem Abdi

Regie: Rafi Pitts

Kinostart: 27.11.08

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It’s Winter – Zemestan

Poetische Bilder für eine traurige Realität

Schon im Titel eine Parabel, erzählt IT’S WINTER eine Geschichte aus der kalten Jahreszeit. Draußen schneit es und auch drinnen, in dem tristen, einsam gelegenen Betonhaus, ist kein warmer Platz zum Bleiben. Der Arbeiter Mokthar, einst baute er hier im Glauben an eine bessere Zukunft, kann seine Familie nicht mehr ernähren und verläßt sie, um im Ausland Arbeit zu finden. Dagegen Marhab, ebenso auf Jobsuche, kommt in jenen Tagen aus dem Norden des Iran, gerade an den Heimatort des anderen. Aber die Stadt braucht auch ihn, einen erfahrenen Mechaniker, nicht. Sie trotzt seiner Hartnäckigkeit, gibt sich abweisend. Nur die entflammende Liebe zur schönen Khatoun, Mokthars zurückgelassener Frau, scheint ein Versprechen.

Rafi Pitts, in Frankreich lebender Iraner (er selbst beschreibt die Situation in seinem Geburtsland damit, daß " ...die Männer weg wollen, die Frauen aber das Leben meistern"), erzählt in der wortkargen Manier, für die das iranische Kino bekannt ist. Und auch hier sind die Bilder dafür umso eindrücklicher. An die Stelle grandioser Landschaftspanoramen - etwa von verschneiten Bergwelten - treten endgültig urbane Szenerien. Das Individuum und sein Schicksal messen sich nicht mehr mit und an der Natur, bestimmend ist die gesellschaftliche Realität in den Städten oder - wie hier - an deren Peripherie.

Der Blick der Kamera ist auf Schienenstränge, die ins Nirgendwo führen, gerichtet, auf Strommaste und auf rauchende Schlote. Noch unbefestigte, breite Fahrbahnen durchmessen industriell definierten Areale, und die Menschen, gleich ob ihre Bewegung langsam ist oder schnell, scheinen in diesen nicht vorwärts zu kommen. Es ist ein einsamer Kampf ums Überleben, den sie, umgeben von Maschinenlärm und von Schrottbergen, bestreiten. Pitts Erzählung scheint um nicht mehr als um das Unglück in der hier beschriebenen Welt zu kreisen.

Die Bildsprache - gleichwohl von fahler Tönung dominiert - aber ist von poetischem Reiz, die Metaphorik subtil und das Spiel der Laiendarsteller in ihrer eigenen, nur skizzierten Geschichte berührend. Die Balance, die der Film hält, erlaubt zudem verschiedene Lesarten. IT’S WINTER ist in jedem Fall mehr als nur eine Parabel auf die Situation im Iran.

[ Jane Wegewitz ] Für Jane ist das Kino ein Ort der Ideen, ein Haus der Filmkunst, die in „Licht-Schrift“ von solchen schreibt. Früh lehrten sie dies Arbeiten von Georges Méliès, Friedrich W. Murnau, Marcel Duchamp und Man Ray, Henri-Georges Clouzot, Jean-Luc Godard, Sidney Lumet, Andrei A. Tarkowski, Ingmar Bergman, Sergio Leone, Rainer W. Fassbinder, Margarethe v. Trotta, Aki Kaurismäki und Helke Misselwitz. Letzte nachhaltige Kinoerlebnisse verdankt Jane Gus Van Sant, Jim Jarmusch, Jeff Nichols, Ulrich Seidl, James Benning, Béla Tarr, Volker Koepp, Hubert Sauper, Nikolaus Geyrhalter, Thierry Michel, Christian Petzold und Kim Ki-duk.

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