Originaltitel: JARHEAD

USA 2005, 123 min
Verleih: UIP

Genre: Drama, Kriegsfilm

Darsteller: Jake Gyllenhaal, Jamie Foxx, Peter Sarsgaard

Regie: Sam Mendes

Kinostart: 05.01.06

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Jarhead – Willkommen im Dreck

Der Krieg und die Bilder

In einer Lesart ist dies ein Film über das Schicksal von Bildern. Coppola zum Beispiel war nie der Meinung, mit APOCALYPSE NOW einen Antikriegsfilm gemacht zu haben. Nun, für die einen ist er das, für andere nicht. Unter letzteren gibt es jene, die seine Bilder benutzt haben, eine Aufbruchsstimmung herbeizuführen bei Männern, die später in den Krieg ziehen sollten.

Anthony Swafford, ehemaliger Scharfschütze der Marines, hat solches erlebt. 2003 erschien sein Buch, in dem er über die Erlebnisse im ersten Golfkrieg schrieb. Neben Äußerem, dem Drill bei der Ausbildung, den Vorbereitungen auf den Krieg, die aus 20jährigen Männern Jarheads machen (was im US-Slang Marines meint, aber auch Köpfe, die Schraubgläsern gleichen) und den Monaten, welche die Truppen in der Wüste mit dem Warten auf das Sichtbarwerden des Feindes verbringen, erzählt Swafford auch von inneren Erfahrungen. Eine dieser Erfahrungen machte er kurz vor seinem Kuweit-Einsatz in einem Kinosaal - in einer Vorführung von APOCALYPSE NOW. In Mendes’ Verfilmung von Swaffords schonungslosem Bericht wird dies zu einer Schlüsselszene: Der Zuschauer wird Zeuge des ekstatischen Zustandes, in welchen die Marines angesichts des blutigen Hubschrauberangriffs mit Walkürenritt geraten. Der Saal ist in Aufruhr, die Männer kennen jede Figur, jedes Wort, jede Geste, und sie sind mehr als bereit, sie fiebern dem Einsatz entgegen.

Der Film mit seinen Bildern fungiert hier eindeutig als Scharfmacher für eine neue Generation, was wiederum die Arbeit von Mendes und den sogenannten Kriegsfilm als solchen in Frage stellt. Swaffords Bericht und die Verfilmung unterscheiden sich aber von vorangegangenen Produktionen. In JARHEAD bleibt kein Platz für Ruhm. So gibt der Scharfschütze Swafford in diesem Krieg keinen einzigen Schuß ab - dieser Krieg wird aus der Luft entschieden. Das Grauen erlebt er dennoch, und Mendes findet hier zu wahrhaft apokalyptischen Bildern, wie denen von brennenden Ölfeldern in surrealem Schwarz und Orange. Wenn er am Ende aus dem Fenster seiner Wohnung irgendwo in den Staaten sieht, wird für den Scharfschützen Swaff nichts sein wie zuvor. Das Publikum weiß spätestens dann: Wir sind immer noch in der Wüste. Welches Schicksal diese Bilder ereilt, weiß vielleicht die nächste Generation.

[ Jane Wegewitz ] Für Jane ist das Kino ein Ort der Ideen, ein Haus der Filmkunst, die in „Licht-Schrift“ von solchen schreibt. Früh lehrten sie dies Arbeiten von Georges Méliès, Friedrich W. Murnau, Marcel Duchamp und Man Ray, Henri-Georges Clouzot, Jean-Luc Godard, Sidney Lumet, Andrei A. Tarkowski, Ingmar Bergman, Sergio Leone, Rainer W. Fassbinder, Margarethe v. Trotta, Aki Kaurismäki und Helke Misselwitz. Letzte nachhaltige Kinoerlebnisse verdankt Jane Gus Van Sant, Jim Jarmusch, Jeff Nichols, Ulrich Seidl, James Benning, Béla Tarr, Volker Koepp, Hubert Sauper, Nikolaus Geyrhalter, Thierry Michel, Christian Petzold und Kim Ki-duk.

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