Österreich 2016, 114 min
FSK 16
Verleih: Missing Films

Genre: Drama

Darsteller: Lukas Turtur, Philipp Hochmair, Thomas Stipsits

Regie: Klaus Händl

Kinostart: 24.11.16

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Kater

Das Beunruhigende unter der Oberfläche

Für manche Menschen ist das Leben wirklich wolkenlos, ganz heiterer Himmel. Stefan und Andreas gehören zu diesen Menschen. Lieben sie sich doch nicht erst seit kurzem, aber immer noch wie am ersten Tag. Nur vertrauter. Und das heißt ja auch: intensiver. Was für den Sex genauso gilt, wie für die zahllosen Kleinigkeiten des Alltags. Gemeinsam bewohnen Stefan und Andreas ein schönes Haus in den Weinbergen Wiens. Gemeinsam arbeiten sie beim Radio-Symphonieorchester. Haben Freunde, die ihnen entsprechen. Sind kultiviert, tolerant, kunstsinnig. Zwei Musterexemplare moderner Aufgeklärtheit. Zwei maßvolle Hedonisten. Geschmackvoll eingerichtet, gefühlsmäßig aufgeräumt, sich reizend um Kater Moses kümmernd, der nicht nur Haustier, sondern auch Maskottchen eines Glücks ist, das auf festem Fundament steht.

Scheinbar. Denn natürlich folgt nach der langen Exposition in Glückseligkeit, mit der Klaus Händls KATER beginnt, die Erschütterung. Die passiert ganz plötzlich. Tatsächlich wie aus heiterem Himmel bricht etwas Dunkles auf. Eine böse splitterende Dissonanz in der Harmonie. Die Sekundenexplosion eines Gewaltaktes, den Stefan begeht. Irrational, grausam, sinnlos. Und für Stefan letztlich genauso erschreckend wie für Andreas. Erschreckend unfaßbar. Fremd. Denn die Gültigkeit der Gewißheiten, die diese zwei Leben, diese Liebe konstituierten, sie wurden von einem Moment auf den anderen fragwürdig, porös, irreparabel.

Irreparabel? Das ist die eine Frage, die sich der österreichische Regisseur, Autor, Librettist und Dramatiker Klaus Händl in seinem Film KATER stellt. Die andere, weitaus quälendere ist: Wieso geschah überhaupt, was hier geschah? Und vielleicht ist das Radikalste an KATER, daß der Film genau darüber dann eben nicht spekuliert. Daß er weder Psychologie noch Metaphysik bemühend Denk- und Interpretationsrichtungen vorgibt, sondern rigoros der Beobachter bleibt. Nie mehr wissend als Stefan und Andreas.

Und die stehen fassungslos vorm Unerklärlichen. Und wie Fremde voreinander. Es gibt sie nicht, die Gnade des Begreifens, und so wird die Frage, ob man mit diesem Nichtbegreifen, dieser Gnadenlosigkeit also, überhaupt weiter in Vertrauen und Liebe leben kann, zum essenziellen Stachel dieses Films, der genau darin und in seiner ruhigen Erzählweise nachhaltig beunruhigt.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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