D 2009, 91 min
FSK 6
Verleih: Prokino

Genre: Dokumentation, Sport

Darsteller: Dieter Deventer, Walter Strasser, Quirin Rohleder, Eli Mack

Stab:
Regie: Björn Richie Lob
Drehbuch: Björn Richie Lob
Kamera: Björn Richie Lob

Kinostart: 20.05.10

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Keep Surfing

Jünglinge am Bache

Wasser ist im kleinsten Flüßchen für ein Wellenreiterherz! Ach, hätte Schiller ein schwimmfähiges Brett unter den Füßen gehabt, dem Surf-Eldorado München wäre wohl lange vor diesem Dokumentarfilm das Hohelied gesungen worden. So aber ist Björn Richie Lob, einem Surffilmer mit Hawaiihemd in der Seele, diese Aufgabe zugefallen. Er besingt einen kuriosen Surfspot, wie der Experte die stillen Örtchen seines Vergnügens nennt, der eben nicht hinter dem Horizont liegt, sondern in den Weiten des Englischen Gartens, wo sich nach landläufiger Meinung Südstaatensnobs, Krachledernheit und Nudisten bei einer Maß Bier Gute Nacht sagen.

Lobs Protagonisten, hauptsächlich junggebliebene, von Arbeit und Alltag leidlich gezähmte Erstbesteiger der perfekten Wellen an der Isar, erzählen von den Anfängen vor über dreißig Jahren, vom Fluß, von Dreihundertsechz’gern, und wohin sie die Münchner Wasser so gespült haben. Quirin Rohleder, zum Beispiel, wurde von seinem Boogieboard in ein Profisurferleben an die Traumstrände dieser Welt getragen, während Walter Strasser, der den beschaulichen Eisbach einst handgreiflich gegen den internationalen Surftourismus verteidigte, inzwischen Didgeridoos schnitzt. Besuch aus Übersee ist auch eingetroffen: Eli Mack, tätowiertes Rauhbein der globalen Flußsurferszene, gibt sich die Ehre und radelt wie Gott ihn schuf Richtung Isar davon.

Daß der Regisseur ihre Leidenschaft teilt, ist dem Film anzusehen. Aus ihm spricht jungenhafte Verliebtheit in einen Sport, der Geschicklichkeit, Selbstvertrauen und Risikobereitschaft verbindet, und den man sich wohl eigentlich als Lebensgefühl vorstellen muß. Lob delektiert sich an „krassen Strudeln“, an Surferlatein, an wieselflinken Füßen, die über Bretter flitzen, stürzt mit der Kamera hinter Fallenden her und paddelt sogar kurz nach Kanada und Frankreich hinüber. Am Sportgerät also kann der Mann einiges.

Aber auch im Dokumentarfilm gilt es, sich nicht von jeder dahergelaufenen Welle hinaustreiben zu lassen. Doch dafür fehlt es an Übersicht über die am Filmstrand versammelten Biographien, es fehlen Konzentration, Geduld für Nachfragen und vor allem die Selbstdisziplin, nicht jeder gelungenen Bewegungsstudie eine zweite, dritte, vierte folgen zu lassen. Für Surfer wie Nichtsurfer heißt es also weiter auf das warten, was Lobs eifriger, aber fahriger Surferfilm mit ein paar dramaturgischen Rettungsringen hätte werden können: das Porträt einer vielgesichtigen Subkultur, die dem Erwachsenwerden immer davonzusegeln scheint.

[ Sylvia Görke ]

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