Originaltitel: LOLO

F 2015, 100 min
FSK 6
Verleih: NFP

Genre: Komödie

Darsteller: Julie Delpy, Karin Viard, Dany Boon, Vincent Lacoste

Regie: Julie Delpy

Kinostart: 17.03.16

Noch keine Bewertung

Lolo

Die Delpy und das Biest

Auf dem heiklen Grat zwischen Lächeln, Lachen und Lächerlichkeit kommt Julie Delpy in ihrer sechsten Regiearbeit schwer ins Taumeln. Mal krallt sie sich mit Charme am Felsen fest, mal mit pfiffigem Wortwitz, am Ende nur noch mit dem Zerstreuungsfaktor einer ziemlich belanglosen Komödie. Franzosen können das! Und dürfen es im Grunde ja auch!

Ein toter Thunfisch rutscht auf ihren Schoß, Violette keift, als sei es eine Tarantel. Jean-René ist das Ganze ziemlich peinlich, wo er doch mit seinem Fang eher glänzen wollte. Beim abendlichen Grillfest, als das Tier seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt wird, sind die Wogen längst geglättet, läuft die Flirtmaschine heiß. Violette, die sich wimmernd als untersexte 40jährige sieht und ihre fünf Jahre mehr glatt ignoriert, spürt verschüttetes Kribbeln. Die beste Freundin Ariane forciert dieses wohlige Gefühl, hier im Urlaubs-Biarritz und bald auch daheim in Paris, wo sich Violette und Jean-René wiedersehen und mindestens wiederküssen werden.

Die weltstädtische Mode-Managerin und der Provinz-Informatiker – Wirbelwind trifft laues Lüftchen, das mit den magnetischen Gegensätzen könnte funktionieren! Nur heißt der Film eben LOLO mit Untertitel DREI IST EINER ZU VIEL. Der Dritte ist diesmal kein Nebenbuhler, kein Hündchen oder Ex, sondern Violettes Sohn Lolo. Mit 19 lebt er noch in der gemeinsamen Wohnung, strahlt seine Maman mit abgöttisch liebenden Blicken an, entwickelt sich aber aufgrund ihrer neuen Lebenssituation zum Biest. Von wegen: „Dein JR ist nett!“ Eine Woche gibt Lolo sich und seinem Kumpel Lulu, um den Eindringling abzuschütteln. Nur, in einer Woche wird es nicht gelingen!

Lolos Motivation fürs Böse bleibt äußerst diffus. So sehr, daß man als Betrachter unruhig wird. Liegt auch daran, daß LOLO seinen Komödienton nicht finden will. Mal ist es albernes Bauerntheater, dann gepflegte Hommage an den Retro-Klamauk, mal hat es brillantes Tempo, dann einen lahmen Fuß. Vor allem die Mittel, Jean-René zu vertreiben, sind – mit Verlaub – Kinder auserlesener Albernheit: Juckpulver am Sakko, K.O.-Tropfen im Champagner, Blondinen im Bett, ein gehackter Laptop. Da ist die angenehme Zurückhaltung, mit der ausgerechnet Dany Boon über die Zeit kommt, noch die größte Überraschung.

Verglichen wird die Delpy als Regisseurin gern mit Woody Allen. Berechtigt, denn auch der Großmeister hat seine schwachen Momente.

[ Andreas Körner ]

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