Originaltitel: LONG SHOT

USA 2019, 125 min
FSK 12
Verleih: StudioCanal

Genre: Komödie, Liebe, Polit

Darsteller: Seth Rogen, Charlize Theron, Alexander Skarsgård, O'Shea Jackson Jr., Andy Serkis

Regie: Jonathan Levine

Kinostart: 20.06.19

Long Shot

So ziemlich jeder Schuß ein Treffer

Zu viel Information? Vielleicht, dennoch: Alles fing mit einem Ständer an, und zwar nicht im Sinne von „Konstruktion, um etwas drauf zu positionieren.“ Nein, die Hose von Fred wurde eng, weil der pubertierende Knabe Charlotte die jungfräulichen Lippen aufdrückte, seiner Babysitterin. Und da war’s geschehen: Eine Liebe loderte im Herzen auf, leider nicht erwidert, aber seither unvergessen.

Lange Zeit später: Fred wuchs zum kämpferischen Journalisten im Dienste der Wahrheit heran, welcher auch heldenhaft flüchtend aus Fenstern sprang, soeben indes jeder Ideale beraubt den Bettel hinwarf: „Journalism Died Today!“ Aus Ablenkungsgründen vom Kumpel auf einen Empfang geschleppt, trifft er Charlotte wieder. Geringfügiges Problem: Sie strahlt heißer denn je, versprüht ein Feuer, das Freds schnöde Modezwänge aufs Korn nehmenden Jogginganzug regelrecht dahinmetzelt. Größere Herausforderung: Charlotte, amtierende US-Außenministerin, wandelt auf direktem Weg, als zukünftige Präsidentin ins Weiße Haus einzuziehen, der momentane Amtsinhaber wünscht berufliche Veränderung. Wäre da nur nicht ein generell überaus positive Umfragewerte empfindlich attackierendes Winken, Maneki-nekos eng verwandt! Charlotte benötigt dringend einen am öffentlichen Bild schraubenden Redeschreiber, und Fred heult ja gerade arbeitslos rum …

Was aus dieser zumindest im Kino ziemlich alltagstauglichen Kombination folgt, ist klar; wie war das doch gleich mit den Gegensätzen und ihrer Anziehung? Arrangieren wir also die Spieler: hier Charlize Therons klassische Star-Eleganz plus Glamour-Erotik (wenn man’s zu dürr mag), dort Bärchen Seth Rogen, gewohnheitsmäßig voller Nerd-von-nebenan-Sexiness. Knistern, Funken und Blitzen! Logisch, daß da sogar Alexander Skarsgård – optisch mal nicht ganz so schön, dafür durch Selbstironie punktend – Theron keine Zuneigungspunkte abringen kann.

Selbige sollte allerdings das Publikum in satter Fülle an sämtliche Beteiligte vergeben, obwohl sicher niemand dem Sitznachbarn, lebensbedrohlich lachgeflasht nach Atem ringend, die knochigen Knie wund haut. Aber um einiges wichtiger: Ein permanentes Lächeln begleitet beste Unterhaltung, hauptsächlich verortet auf den schmalen Theronschen Schultern. Ihr panisches Verzweifeln angesichts der Aufgabe, aufgespießtes Fleisch halbwegs manierlich zu verzehren: wunderbar. Der offenen Auges stehend absolvierte Minutenschlaf: grandios. Schließlich: Bis unters Dach zugedröhnt, Flitterreste im strähnig hängenden Blondhaar, von höchster Lichtempfindlichkeit gehandicapt regelt Außenministerin Charlotte eine Geiselnahme. Und Theron empfängt endgültig den bei C-Comedy-Ware à la GRINGO bereits in Aussicht gestellten komödiantischen Ritterschlag.

Zudem funktioniert das Doppel Theron/Rogen als Produzenten-Team ebenfalls reibungslos, investierte Geld und profunde Erfahrung in einen Film für Männlein wie Weiblein. Während ergo die komplett feminin besetzte Reihe 9 im Zuge einer zuckersüßen PRETTY WOMAN-Hommage geschlossen zittrig seufzt, bedienen manche unerwarteten Anzüglichkeiten (Self Facial!) das amüsierte Kumpelquartett in 12. Geschickt, geschickt ...

Daher: Möchten Sie anno 2019 lediglich ein einziges Öko-Polit-Romantik-Feminismus-Screwball-Lustspiel sehen, empfehlen wir Ihnen LONG SHOT ohne Gewissensbisse. Trotz spürbarer Überlänge und gen Finale wahrscheinlich unvermeidbarer amerikanischer Megamoraldebatte. Schlimm? Ach was, geschenkt!

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

Lesezeichen:

Long Shot ab heute im Kino in Leipzig

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