D 2013, 97 min
FSK 12
Verleih: Farbfilm

Genre: Drama

Darsteller: Mateo Bautista Matías, Marcos Rodriguez Ruíz

Stab:
Regie: John Damian Harper
Drehbuch: John Damian Harper

Kinostart: 12.02.15

Noch keine Bewertung

Los Ángeles

Von getäuschten Hoffnungen und schwer verhandelten Träumen

Solange der Mensch träumt, lebt er. Vom Träumen allein aber wird man auch nicht satt. Das hat Mateo längst verstanden. Dabei führt der 17jährige mit den Strähnen im hübschen Gesicht kein schlechtes Leben. Ein einfaches, ja, aber kein schlechtes. Er lebt in einem kleinen mexikanischen Dorf, mit Mutter und Bruder, der Vater hat sich längst aus dem Staub gemacht. Der ganz große Traum heißt Amerika, nach Kalifornien, um dort die Tellerwäschermillionärsrevue aufzuführen, um Englisch zu lernen, um Geld in die Heimat zu schicken. Doch um in der Fremde zu bestehen, braucht es die Unterstützung einer Gang, Mitglieder im Dorf wollen ihn darauf vorbereiten. Drei Tattoopunkte soll er sich verdienen. Die ersten sind vergleichsweise harmlos, Diebstahl und so, doch der dritte Punkt, der den Claim „Mi Vida Loca“ vervollständigen soll, den wird Mateo nicht bekommen, weil er sich weigert zu töten. Weshalb die Seiten gewechselt werden, und nun die eigenen Leute hinter ihm her sind.

Damian John Harper erzählt seine Geschichte einer Jugend am moralischen und physischen Abgrund trotz fiebriger Kamera ganz ruhig. Zweifellos eine gute Entscheidung, die Gefährdung Mateos und seiner Familie wird somit ganz direkt spürbar. Letztendlich taucht er in eine Familiengeschichte, in deren Fokus das nicht immer einfache, aber doch von großer Liebe und Sorge geprägte Verhältnis zweier Brüder steht. Als Mateo durch eine Verletzung die Reise, die nun auch eine Flucht ist, ins Goldgräberland nicht antreten kann, springt sein kleinerer Bruder ein. Mateo weiß aber zu gut, was den Jungen an der Grenze erwartet ...

Harper erzählt durch Verknüpfungen auch von anderen Familien, deren Söhne längst das segensreiche Nordamerika erreicht haben, deren Mütter sich aber erst wundern, fragen und schließlich berechtigt sorgen, wenn plötzlich die Überweisungen ausbleiben. Das Startgeld in eine neue Zukunft, das die Schlepper einsacken, ist kein sorglos investiertes. Der Weg ist hochgefährlich, die Ankunft mehr als vage, doch das Träumen vom Glück geht selbst hinter Gittern weiter.

Es gelingt Harper, über die Familie Mateos hinaus von fragilen Hoffnungen, falschen Freunden, hinterhältigen Geldschefflern und vor allem von der Stärke der Mütter zu erzählen. Sie sind es doch, die in einer von einem reichlich blöden, tequiladurchtränkten Machismo geprägten Gesellschaft immerzu Kraft aufbringen und Sorgen überstehen müssen, sie sind es, deren Tränen nicht versiegen. Das ist stark in Harpers Debütfilm, auch weil er nicht geneigt ist zu glorifizieren, da er auch kritisch hinterfragt: Was sind das denn für Menschen, wenn sie im Namen Gottes ihre Kinder wegschicken oder ziehen lassen? Und was ist das überhaupt für eine Zukunft, wenn der Weg nur über Tijuana führt?

Auf zu Beginn recht lange Schwarzfilmszenen mit Kampfgeräuschen aus dem Off sollte man sich einstellen können, auf wacklige Kamerafahrten ebenso. Auf die deutsche Synchro-Fassung, die den Namen eigentlich kaum verdient und der Presse gezeigt wurde, leider weniger. Dabei wäre das originalsprachlich so spannend gewesen, da Mateo Teil der zapotektischen Minderheit ist. Deswegen sei die gebotene Chance zur Sichtung im Original wärmstens empfohlen.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.