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Märzmelodie

Ein komödiantischer Paarungsgesang

Möglicherweise mit dem Ansinnen Frühlingsgefühle vorwegzunehmen und dem Publikum über den Winter zu helfen, erklingt nun die Märzmelodie schon im Februar. Freunde der leichten Muse mögen angetan sein, denn erklärtes und alleiniges Planziel des Films sind glückliche Pärchen.

Antreten müssen sechs Protagonisten. Da ist die alleinstehende Anna, eine nervlich angeknackste Grundschullehrerin, die schon das Würgen ankommt, wenn sie nur die Eingangstür ihrer Schule sieht. Und da ist der eben verlassene Thilo, der immer noch von einer Schauspielkarriere träumt, die sich nicht einstellen will, weswegen er am Telefon Wein verkaufen muß. Scheinbar besser geht’s seinem Freund Florian, bei dem das Filmgeschäft brummt. Aber den quält die Liaison mit Thilos Ex Katja, in die er sich - erklärt bindungsunfähig - verliebt hat. Und schließlich sind da Valerie und Moritz. Das mit einem Kind gesegnete Pärchen, obgleich auch ihr Leben nicht ganz einfach ist, wird dem Schicksal der Freunde ein bißchen auf die Sprünge helfen.

Das insgesamt schlichte Procedere folgt ganz dem Motto "Mit Liebe und Musik schrieben sich die schönsten Geschichten", und weil’s das im Kino schon mal gab, geriet dies zur Kreation eines neuen Genres: Hier wird der Dialog zuweilen in Bruchstücke aufgelöst und gesungen, nämlich dann, wenn es den Protagonisten, von Emotionen überwältig, die (Alltags-)Sprache verschlägt. Nun singen aber nicht Jan Henrik Stahlberg, Alexandra Neldel und Kollegen. Hier werden Fragmente von Originalen aus der deutschen Schlager-, Pop- und Rockgeschichte (wie von Nena, Udo Lindenberg, Rio Reiser, Element Of Crime und auch von Ton Steine Scherben) eingespielt, und die Mimen üben sich im Playback. Das wirkt größtenteils albern, birgt aber einen Überraschungseffekt. Das peppt die Geschichte nicht wirklich auf, läßt aber Zeit vergehen.

Eine freundliche Interpretation wäre freilich die, es handele sich um eine Art Kulturrecycling oder eine Methode, dem Zuschauer Momente der eigenen Geschichte zu erinnern, die mit einer bestimmten Musik, einem bestimmten Song verbunden sind. Gegen den Film wiederum spricht auch das unfreundlich mitschwingende Postulat, daß die Midlifecrisis inzwischen früher einsetzt. Alles in allem - man muß diesen komödiantischen Paarungsgesang nicht überbewerten.

D 2007, 89 min
Verleih: X Verleih

Genre: Komödie, Liebe, Musik

Darsteller: Jan Henrik Stahlberg, Alexandra Neldel, Gode Benedix, Jana Pallaske, Gedeon Burkhard

Regie: Martin Waltz

Kinostart: 07.02.08

[ Jane Wegewitz ] Für Jane ist das Kino ein Ort der Ideen, ein Haus der Filmkunst, die in „Licht-Schrift“ von solchen schreibt. Früh lehrten sie dies Arbeiten von Georges Méliès, Friedrich W. Murnau, Marcel Duchamp und Man Ray, Henri-Georges Clouzot, Jean-Luc Godard, Sidney Lumet, Andrei A. Tarkowski, Ingmar Bergman, Sergio Leone, Rainer W. Fassbinder, Margarethe v. Trotta, Aki Kaurismäki und Helke Misselwitz. Letzte nachhaltige Kinoerlebnisse verdankt Jane Gus Van Sant, Jim Jarmusch, Jeff Nichols, Ulrich Seidl, James Benning, Béla Tarr, Volker Koepp, Hubert Sauper, Nikolaus Geyrhalter, Thierry Michel, Christian Petzold und Kim Ki-duk.

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