Originaltitel: HE NAMED ME MALALA

USA 2015, 87 min
FSK 12
Verleih: Fox

Genre: Dokumentation, Biographie, Polit

Regie: Davis Guggenheim

Kinostart: 22.10.15

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Malala

Unkritische Doku über eine beeindruckende junge Aktivistin

Porträts über lebende Legenden sind eine heikle Sache. Besonders, wenn die Legenden nicht mal erwachsen sind. Die Pakistanerin Malala Yousafzai wurde mit 17 Jahren zur jüngsten Nobelpreisträgerin aller Zeiten ernannt. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits weltweit als Aktivistin für das Recht auf Bildung bekannt. Spätestens als die Taliban 2012 versuchten, das Mädchen gezielt zu töten, war ihr Name auch in der westlichen Welt ein Begriff. Malala überlebte den direkten Kopfschuß wie durch ein Wunder und ließ sich nicht einschüchtern: „I Am The Same Malala, I Am Just Stronger Than Before“, bemerkte sie in Richtung ihrer Gegner in ihrer ersten Rede nach dem Attentat. Ihr Mut und ihr rhetorisches Talent haben aus der heute 18jährigen längst eine Legende gemacht.

Wenn nun ausgerechnet Davis Guggenheim einen Dokumentarfilm über Malala dreht, ist Vorsicht angebracht, denn der OSCAR-Gewinner ist tatsächlich nicht für kritische Nachfragen bekannt. Tatsächlich beschränkt er sich auch in diesem Fall darauf, das unglaubliche Leben der jungen Frau, die heute im englischen Exil lebt, nachzuzeichnen. Dabei greift er sowohl auf Nachrichten-Footage als auch auf zurückhaltend animierte Sequenzen zurück. Vor allem aber wird Malala in ihrem Alltag begleitet. Und der besteht zum Glück nicht nur aus Treffen mit bekannten Persönlichkeiten, sondern eben auch aus Schule, Hausaufgaben und Kabbeleien mit den Brüdern am Frühstückstisch.

Fragen nach der Verantwortung der Eltern bleiben allerdings genauso ungeklärt wie die nach der beunruhigend symbiotisch erscheinenden Beziehung zwischen Malala und ihrem Vater. Gleichzeitig gelingen Guggenheim jedoch beeindruckende Aufnahmen fernab des Rampenlichts. Zu erleben, wie herzlich die junge Frau über die Minions lachen kann, obwohl sie Sekunden später in einem Telefoninterview über die bis heute andauernden Todesdrohungen berichten wird, läßt erahnen, welchen Spagat sie täglich vollführt. Vielleicht wäre es angesichts ihrer schwierigen Lebenssituation generell vermessen gewesen, Malalas öffentliche Person weiter zu hinterfragen.

Davis Guggenheim ist sowieso ohne Zweifel nicht der Richtige dafür. Aber vielleicht wird diese kluge, junge Frau auch mutig genug sein, das eigene Leben zum gegebenen Zeitpunkt selbst zu hinterfragen. Wer Malala erlebt hat, ahnt, daß sie sich nicht mit allzu einfachen Antworten zufrieden geben wird.

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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