D 2019, 111 min
FSK 12
Verleih: Telepool

Genre: Drama

Darsteller: Saskia Rosendahl, Edin Hasanovic, Julius Feldmeier, Emanuela von Frankenberg, Hanns Zischler

Regie: Mariko Minoguchi

Kinostart: 28.11.19

3 Bewertungen

Mein Ende. Dein Anfang.

Des Schicksals komplizierte Pläne

Man sagt’s schon recht ungern: Aron ist ein bestenfalls gewöhnungsbedürftiger Typ, deutlicher formuliert – er nervt. Nicht nur wegen des ständigen Referierens über Träume und Déjà-vus als Erinnerungen an die Zukunft … Der Mann gleitet in einem privaten weltentrückten Kosmos dahin, Nora fand das indes wohl faszinierend, Liebe auf den ersten Blick, zack! Und nun, wir sind in die Handlung eingestiegen, noch mal zack! – Aron stirbt. Jetzt tut’s uns leid, ihn belächelt zu haben. Andernorts albert Natan niedlich mit seiner Tochter Ava herum, ein neues Zack! Bei Ava wird Leukämie diagnostiziert, es wäre was zu machen, eine geeignete Stammzellenspende käme in Frage, weiterhin eine kostspielige Therapie auf Eigenzahlerbasis. Natans Arbeitgeber sichert ihn finanziell gut ab, problemlos zu stemmen eigentlich, doch die Zacks! dauern an, plötzlich beträgt der Wert eines Lebens drei lumpige Euro.

Daß Nora und Natan sich finden müssen, entspricht erwartbarer filmischer Logik, genauso vorhersehbar gewebt für zumindest halbwegs geübte Zuschauer das Netz, in dem beide gemeinsam, einander unentrinnbar verbunden, zappeln. Wer solche Betrachtungen zur Seite schieben kann, auch dem Spielfilmregiedebüt geschuldete inszenatorische Gehhilfen à la fortwährender Griff zur Zigarette oder auffallend hohe Schlechtwetterwahrscheinlichkeit duldet, sich aufs Innere der Geschichte und ihrer Protagonisten konzentriert, erlebt ein kleines herzblutrotes Wunder. Es entfaltet sich konsequent nonlinear, vollzieht in passendem Gedenken an Arons thematische Besessenheit unablässige Zeitebenenwechsel, verweigert stets konkrete Informationen zum aktuellen Datum. Was wiederum den Zuschauer dazu ermutigt, seine rationale Position vorübergehend aufzugeben, einen ungewissen Schwebezustand einzunehmen. Erst widerstrebend, dann sukzessive akzeptierend, schließlich unaufgefordert, der freigesetzten Intensität zugewandt.

Ein Wirbel aus Rückblenden, Voranschreiten, vielleicht oben erwähntem Träumen und Erinnern zeichnet komplexe Beziehungsbilder, sogar Zusammensein vorm akustischen Hintergrund des längst zu Tode gedudelten Münchener-Freiheit-Disco-Dauerbrenners „Ohne Dich“ transportiert Gefühle, während Aron sympathischere Facetten entwickelt, dem entflammten Paar sprichwörtliche Flügel wachsen. Umso krasser Noras dem Verlust folgende emotionale Verkrustung, ohne aufbrechende Tränen, fast roboterhaft, gleichbleibend funktionierend, Energie kanalisierend, auf Verletzung ebenso aus wie auf Halt; sie muß spüren, völlig egal, was. Sich anlehnen, total irrelevant, an wen. Das mimt Saskia Rosendahl zwischen Lähmung und Ausbruch immer nah am zurückgenommenen Schmerzpunkt, unterstützt von kaum minder talentierten Darstellern.

Zunächst unterschwellig, später unverborgen offensichtlich beweist das Schicksal seine Neigung zu komplizierten Plänen – und ringt sich selbst zielgerichtet Miststückqualitäten ab, jene strukturiert umzusetzen, bestraft dabei humane Schwächen und Fehler unerbittlich bis unmäßig. Mancher glaubt, ein gedoppelter Vokal im Vornamen erhebe einen Menschen trotzdem irgendwann zum glücklichen Wesen. Diese These weitergedacht, dürften sich wenigstens Ava und Natan entgegen aller Umstände wirklich frohe Perspektiven eröffnen. Womit der Plot final einen über die Leinwand hinausreichenden Bogen zum Titel schlägt, theoretisch zustimmt, aber sofort unbarmherzig nachhakt: um welchen Preis?

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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